Forschungen enthüllen neue Details zum Kriegsende in Doberan


Martin Heider hat einer Fülle von Zeitdokumenten aus dem Jahr 1945 gesichtet.

Die OSTSEE-ZEITUNG berichtete am 27.11.1026: „Münsterkustos Martin Heider hat über 1000 Dokumente dazu gesichtet / Zweiteiliges Werk soll 2026 erscheinen

VON WERNER GESKE

BAD DOBERAN. Das Thema lässt Martin Heider nicht mehr los. Seit er in der Pfarrchronik der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde von den Vorgängen des Jahres 1945 in Bad Doberan las, begleitet ihn das Gelesene.

Nachdem er weit mehr als 1000 Dokumente gesichtet hat, Gespräche mit Zeitzeugen führte und neue Details ans Licht brachte, soll nun 2026 sein neues Buch erscheinen. In zwei Bänden widmet sich der Münsterkustos dem Thema „Bad Doberan 1945 – Zusammenbruch und Neuanfang“.

Pastor Hans-Martin Ehlers hatte seinerzeit die damaligen Ereignisse aus Furcht vor den Nazis, später vor den sowjetischen Besatzern, nur knapp und vorsichtig beschrieben. „Für mich waren seine Aufzeichnungen Anlass, mich mit dem zu befassen, was damals in Bad Doberan geschah“, sagt Münsterkustos Martin Heider.

„Spätestens um 6 Uhr stehe ich auf, um mich mit den historischen Dokumenten zu befassen.“ Der Münsterkustos arbeitet sich nicht nur vor Dienstbeginn, sondern auch am Wochenende und auf Reisen durch Dokumente, Briefe, Postkarten oder Zeitzeugenberichte. Mit dem Material kann er das Geschehen von 1945 in den zwei Bänden so plastisch darstellen, wie es bisher noch nicht der Fall war.

 

Heider unterstreicht, dass ein so tiefschürfendes Werk ohne die Hilfe vieler Doberaner und die Unterstützung von Archiven der Münsterstadt, des Kreises, Schwerin oder Berlin gar nicht möglich wäre. Die Fülle des bisher nicht oder kaum bekannten Materials hat ihn überrascht: „Ich habe bisher weit über 1000 Dokumente gesichtet und in meine Sammlung aufgenommen. Besonders glücklich bin ich, dass es noch Menschen gibt, die aus eigenem Erleben darüber berichten können, was sich vor und nach dem Ende des Krieges hier ereignete.“ Durch diese sehr privaten Sichtweisen zeigten sich Zusammenhänge in ganz neuem Licht.

Der historische Spurensucher befasst sich im ersten Band seines zweiteiligen Werkes vorrangig mit dem Zusammenbruch des Nazi-Regimes. „Die Fülle an Material macht es notwendig, die restlichen Monate des Jahres in einem zweiten Band zu behandeln“, meint der Autor. Er geht dabei chronologisch vor, beginnt mit dem 1. Januar 1945.

Noch terrorisieren die Nazis jeden, der Zweifel am „Endsieg" äußert. Nach bisheriger Lesart sorgten in erster Linie Kommunisten, Sozialdemokraten und Parteilose für die kampflose Übergabe der Stadt an die Rote Armee. „Laut Akten und Aussagen von Zeitzeugen gab es aber auch couragierte Nationalsozialisten, die der Stadt Kampfhandlungen und Zerstörung ersparten“, sagt Martin Heider.

Auch wie es sich unter sowjetischer Besatzung lebte, könne Heider gut belegen. Nach dem Zusammenbruch herrschten in der von Flüchtlingen überfüllten Stadt Hunger, Tod, Wohnungsmangel und Chaos.

In den ersten Tagen der russischen Besetzung gab es rund 20 Suizide und Morde. Was sich in der schweren Anfangszeit abspielte, war bisher wenig bekannt. Daher war es für Heider ein Glücksfall, dass ihm auch das Original eines Schreibens des Direktors des Gymnasiums in die Hände kam. Darin wollte sich Schulleiter Willy Brandt gegenüber der sowjetischen Militäradministration für den Erhalt der Schule einsetzen - er beklagte aber auch Übergriffe, Unzulänglichkeiten und Mängel, die auf das Konto der Sowjets gingen. „Zum Glück entschärfte der kommunistische Bürgermeister Joachim Butz das Schreiben deutlich. Wer weiß, was Brandt ansonsten passiert wäre“, meint der Buchautor.

Die etwa 300 Seiten starke Publikation wird voraussichtlich Anfang 2026 [Anm.: wohl im Februar] erscheinen. Mit vielen Bildern und Dokumenten liefert sie einen tiefen Einblick in das Geschehen 1945.

„Mein Anliegen ist es, das Geschichtsbild weiter zu präzisieren und an Leid und Schrecken dieser Zeit zu erinnern.“

Wer hat noch Dokumente aus der Zeit?

Autor Martin Heider ist weiterhin auf der Suche nach Fotoalben, Briefen, Feldpost, Tagebüchern, Fluchtberichten und Ähnlichem aus jener Zeit. Hilfreich wären auch Informationen zur Versorgungslage, zum Schulalltag und medizinischen Einrichtungen an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. oder Telefon 038203-779590.


Quelle: OSTSEE-ZEITUNG Bad Doberan vom 27.11.1025

FOTO: WERNER GESKE

 

Vertiefende Exkurse über Personen und Ereignisse von 1945


In dem Buch „Bad Doberan 1945 – Zusammenbruch und Neuanfang“ wird es zahlreiche Exkurse geben. Sie dienen dazu, die chronologische Zeittafel durch thematische Vertiefungen zu ergänzen und einzelne Akteure, Institutionen, Quellenarten und Schauplätze ausführlicher darzustellen.

Es wird Exkurse geben zu den Themen Quellen und Medien, zu Sterbefällen und Gesundheit, Todesfällen samt Selbstmorden und Gewalttode, zu Institutionen und Infrastruktur, zu Verwaltung, Politik und Besatzung, zu Personen und Gruppen sowie zu Alltag, Flucht und Nachkriegswirklichkeit.

Folgende Exkurse wird das Buch u.a. enthalten:

  • Auszüge aus dem „Doberan-Album“ über die Jahre 1943/44
  • Zeitung „Doberaner Nachrichten“ / „Ostsee-Bote“
  • Todesfälle im Januar 1945 in Bad Doberan
  • Arbeitsmaiden und ihr Einsatz in Bad Doberan
  • Ausweichstation der Chirurgischen Universitätsklinik in Heiligendamm
  • Ärzte in Bad Doberan
  • Kriegssterbefallanzeigen des Reserve-Lazaretts Bad Doberan
  • Ausweichstation der Universitäts-Frauenklinik Rostock in Bad Doberan
  • Marineschule Heiligendamm
  • „Doberaner“ Feldpostbriefe
  • sonstige Briefe und Postkarten im Bad Doberaner Kontext
  • Das Barackenlager der Ernst-Heinkel-Flugzeugwerke in Althof
  • Elise-Albrecht-Schule / Teillazarett Kreiskrankenhaus
  • Widerstandsgruppen, -zirkel und lose Netzwerke in Bad Doberan
  • NSDAP-Ortsgruppenleiter Walter Kittmann
  • Schlachtermeister Schröder – Einer der entscheidenden Retter Doberans
  • Diskrepanzen zwischen den verschiedenen Aussagen zum Kriegsende
  • Selbstmorde und gewaltsame Todesfälle im Jahr 1945 in Bad Doberan
  • Das kollektive Suizidgeschehen vom 4. Mai in Bad Doberan
  • Tag der Befreiung und eine „Doberanerin“ zur Schuld der Deutschen
  • Sowjetische Kommandanten bzw. Offiziere der Stadtkommandantur
  • Der neue Bürgermeister Joachim Butz
  • Das schicksalhafte Leben des Boris Belikow – 1945 Roter-Armee-Offizier
  • Doberaner Zeitzeugin zur Versorgungslage und zum Alltag nach Kriegsende
  • Der katastrophale Wohnungsmangel u.a. aufgrund der vielen Flüchtlinge
  • Die Umbenennung von Straßennamen in Bad Doberan

 

Postkarte der Arbeitsmaid Hildegard Kahrbek aus dem Reichsarbeitsdienstlager Bad Doberan vom 10.02.1945 nach Hamburg (Sammlung: Martin Heider).

 

Exkurs: Das Barackenlager der Heinkel-Flugzeugwerke in Althof


Das Barackenlager der Ernst Heinkel Flugzeugwerke in Althof war ein seit 1942 errichteter großer Ausweich- und Wohnstandort der Rostocker Heinkel-Werke auf etwa 5 Hektar Domänenfläche nördlich des Bahnhofs Althof.

Seit 1942 ließ Heinkel auf dem beschlagnahmten Domänengelände genormte Reichsarbeitsdienst- und RLM-Baracken errichten, um nach den Luftangriffen auf Rostock vor allem Personal und Produktion auszulagern. Die Anlagen umfassten zahlreiche Wohnbaracken für „Gefolgschaftsmitglieder“ bzw. Arbeitsdienstmänner, Wirtschafts‑, Lager‑, Küchen‑, Wasch- und Krankenbaracken, Abortanlagen, Feuerlöschteich und Luftschutzbauten wie Splittergräben; die Küchenbaracke wurde wegen Holzmangels sogar massiv gebaut.

Im Lager waren neben Konstrukteuren, Meistern und Facharbeitern vor allem Fremd- und Zwangsarbeiter sowie Kriegsgefangene verschiedener Nationalitäten untergebracht, darunter Niederländer, Polen und weitere ausländische Arbeitskräfte. Zeitzeugen betonen, dass hunderte Kriegsgefangene für Heinkel arbeiteten und auch in Althof einquartiert waren und dort Flugzeugteile, insbesondere Tragflächen, gefertigt und per Waggon abtransportiert wurden.

Das Lager war in die örtliche Verteidigungs- und Kriegsinfrastruktur eingebunden, etwa durch Splittergräben als Luftschutz und den engen Bezug zum Reichsarbeitsdienst in Bad Doberan. In den letzten Kriegstagen kam es laut Zeitzeugen zu bewaffneten Vorbereitungen im Umfeld des Reichsarbeitsdienstes, während Heinkel kurz vor dem 1. Mai 1945 den Befehl gab, sämtliche Konstruktionsunterlagen auszubrennen; dazu wurde der große Feuerlöschteich ausgepumpt und die Akten im Garten des Barackenlagers vernichtet.

Vom 15. April bis 22. Mai 1945 dienten die Baracken als Notunterkunft für Geflüchtete und Vertriebene, insbesondere aus Kühlungsborn, dessen Hotels zu Lazaretten umgewandelt worden waren. Vom 22. Mai bis 31. Juli 1945 belegten mehrere sowjetische Einheiten das Lager militärisch, bevor ab 1. August 1945 ein Teil der Baracken (1–6 und 11) als Getreidelager verpachtet, andere bis April 1946 weiter durch sowjetische Stellen genutzt und das Areal bis mindestens 1948 teilweise noch zur Flüchtlingsunterbringung verwendet wurde.

Das Vermögen der Heinkel-Werke einschließlich des Althof-Lagers ging unmittelbar nach dem Einmarsch der Roten Armee zunächst in treuhänderische Verwaltung der Stadt Bad Doberan über, die die Kosten für Wachdienst, Reparaturen und Bestandserhaltung trug, bis später die sowjetische Militäradministration in Berlin-Karlshorst die Kontrolle übernahm. In den Nachkriegsjahren galten Adressen wie „Althof Baraki“ in russischen Einwohnerlisten als sozial stigmatisierend; dort lebende Flüchtlingskinder berichteten später von Diskriminierung, während zahlreiche als „Flüchtlinge“ vermerkte Gewerbeanmeldungen (etwa Schneiderinnen) mit dieser Lageradresse belegt sind.1

1 Diese Angaben basieren auf den Aktenrecherchen des Autors für das Althof Buch „Die Geschichte von Althof. Von der Gründung des Klosters Doberan bis in die Gegenwart“ (2021) und für dieses Buch sowie Hinweisen von Herrn Karl Krüger aus dem Zeitzeugenge-spräch am 03.07.2025.

 

Folgende Angaben stammen von Herr Karl Krüger (Bad Doberan).

Er schilderte als Zeitzeuge im Zeitzeugengespräch vom 03.07.2025, dass das Heinkel-Barackenlager in Althof zum Kriegsende als Ausweichstandort für die Heinkel-Flugzeugwerke diente, nach den Bombardierungen von Rostock. Laut Akten wurde es zunächst vorrangig zur Unterbringung der Mitarbeiter errichtet. Dort waren aber auch deutsche Konstrukteure und Facharbeiter, sowie vor allem viele Fremd- und Zwangsarbeiter beschäftigt – unter anderem aus Holland und Polen sowie Kriegsgefangene verschiedener Nationen. Noch Wochen nach Kriegsende blieben diese Arbeitskräfte im Lager, ehe sie nach und nach in ihre Herkunftsländer zurückkehren durften.

Krüger berichtet, dass sein Vater sich bei einem Kommandeur des Reichsarbeitsdienstes dafür einsetzte, dass junge Männer vor der Front nach Hause gehen konnten. Es waren militärische

Abwehrmaßnahmen eingerichtet; Splittergräben für den Luftschutz angelegt. Beim Einmarsch der sowjetischen Truppen versteckten sich Teile seiner Familie und andere Zivilisten aus Angst, wurden jedoch nicht verletzt, nachdem die Soldaten zusicherten, dass ihnen nichts geschehen würde. Aller-dings kam es vor, dass Zwangsarbeiter die Verstecke der Deutschen verrieten.

Kurz vor dem Ende des Krieges erhielt Krügers Vater den Befehl, sämtliche Konstruktionsunterlagen der Heinkelwerke zu verbrennen. Dies wurde akribisch durchgeführt, um Beweise zu vernichten. Krüger reflektiert schließlich kritisch die Rolle von Ernst Heinkel, den er als Kriegsverbrecher einstuft, da dieser durch materielle Vorteile Arbeitskräfte auch zur Mitgliedschaft in der NSDAP zwang und damit systematisch zum Funktionieren des Regimes beitrug. Herr Krüger hat Dokumente und Erinnerungen dieser Zeit dem Museum in Rostock zur Verfügung gestellt, um zur historischen Aufarbeitung beizutragen.

Auf diese Aussagen hin gab es in der Gesprächsrunde am 03.07.2025 folgende Ergänzungen:

Gerda von Hof (*1936) berichtet, dass es nach Kriegsende – vermutlich im Mai 1945 – unter Kontrolle der russischen Kommandantur zu einer Volkszählung kam. Dabei mussten alle Einwohner von Bad Doberan, einschließlich der zahlreichen Flüchtlinge, nach und nach bei der Kommandantur vorsprechen. Es wurden Listen erstellt, in denen Angaben wie Wohnort, Adresse, Geburtsdatum, Beruf, zur Mitgliedschaft in einer NS-Organisation aufgenommen wurden. Diese wichtigen Unterlagen sind im Stadtarchiv erhalten und sind ihrer Meinung nach dringend auswertenswert. Von Hof hebt außerdem hervor, dass im Barackenlager viele Flüchtlinge untergebracht wurden. Sie schildert einen Fall, in dem sich eine Frau, die als Kind in den Althof-Baracken lebte und später Lehrerin wurde, wegen ihrer Herkunft als Flüchtling diskriminiert fühlte. Die in den russischen Listen meist mit „Althof Baraki“ bezeichnete Adresse galt als sozial stigmatisierend und war kein „guter“ Wohnort.

Martin Heider führt aus, dass ihm bei der Recherche in den Akten des Stadtarchivs Bad Doberan betreffs Gewerbeanmeldungen viele Flüchtlingsnamen begegnet sind. Das waren insbesondere Frauen – deren Männer häufig noch im Krieg waren – die versuchten, sich einen Lebensunterhalt zu sichern und kleine Gewerbe anmeldeten, etwa als Schneiderin. In den Unterlagen ist oft vermerkt, wenn es sich um Flüchtlinge handelt. Dabei tauchen häufig als Adresse das Barackenlager Althof oder der Stülower Weg auf.

Martin Dostal ergänzt, dass die in russischer Sprache geführte Einwohnerliste, in der auch alle Flüchtlingsnamen verzeichnet wurden, später ins Deutsche übersetzt wurde. Er berichtet zudem aus eigener Familiengeschichte: Seine Großmutter väterlicherseits kam aus dem Sudetenland zunächst nach Graal Müritz und wurde dann ins Barackenlager Althof gebracht. Es existieren sogar Fotos der Familie vor einer der Baracken. Seine andere Großmutter wurde in Heiligendamm mehrfach umquartiert und lebte bis 1946/47 unter sehr einfachen Bedingungen in einem ehemaligen Lazarett – dort war die Lebenssituation über lange Zeit äußerst prekär.

 

Exkurs: Todesfälle im April 1945 in Bad Doberan


Im April 1945 kam es in Bad Doberan zu einer ungewöhnlich hohen Zahl von Todesfällen, die die dramatische Situation der letzten Kriegswochen widerspiegeln.

Es verstarben zahlreiche Menschen aus unterschiedlichen Personengruppen. Hauptsächlich betraf dies Flüchtlingskinder aus Pommern, Westpreußen, Ostpreußen und Schlesien, die aufgrund der Fluchtbewegungen und schlechter Versorgung unter Krankheiten wie Grippe, Ruhr, Masern, Tuberkulose, Gelbsucht, Ernährungs- oder Lebensschwäche litten. Sehr häufig werden als Todesursachen Grippe, Lungenentzündung, Ernährungsstörungen, Ruhr, Herzschwäche oder Infektionskrankheiten genannt.

Verletzte Soldaten der Wehrmacht, SS und anderer militärischer Einheiten verstarben in den Behelfslazaretten (etwa im Gymnasium, im Kurhaus, im Stahlbad sowie in anderen umfunktionierten Gebäuden) an Verwundungen, Infektionen (insbesondere Gasbrand, Sepsis, schwere Granatsplitterverletzungen) sowie Amputationsfolgen. Ältere Menschen und Zivilisten kamen bei der Flucht oder durch die Folgen der kriegsbedingten Entbehrungen und Krankheiten ums Leben.

Typische Einträge aus dem Sterbebuch der Stadt Bad Doberan (Beispiele):

  • 1. April: Säugling Peter Wolfgang Herbert Benz (Flüchtling), Todesursache Grippe.
  • 3. April: Grace von Oertzen, geb. Hoffmann-Burnett (Zivilistin),

    Todesursache Kreislaufschwäche bei Pneumonie.

  • 4./5. April: Obergefreiter Theodor Strobel und SS-Mann Herbert Bachmann,

    jeweils an Verwundungsfolgen bzw. Gasbrand in Lazaretten verstorben.

  • 18. April: Ursula Mönke (Kind, Flüchtling), Todesursache Meningitis, Tuberkulose.
  • 27./29. April: Mehrere Soldaten (z.B. Stabsgefreiter Helmut Zinnecker, SS-Sturmmann Günter

    Wugk) verstarben an schweren Granatsplitterverletzungen, Amputationsfolgen,

    Sepsis oder Gasbrand.

  • 30. April: Gleich mehrere Kindstodesfälle in der Kinderklinik durch Grippe,

    dazu Soldaten und Zivilisten an Verwundungsfolgen oder Folgekrankheiten

     

Ende des Monats kumulierten die Todesfälle durch mehrere, sich überlagernde Faktoren. Die Versorgungslage brach weitgehend zusammen, insbesondere angesichts des massiv angestiegenen Flüchtlingsstroms. Es herrschte großes Chaos, Angst und Desorganisation infolge der nahenden Front und der bevorstehenden Besetzung durch die Rote Armee. In Lazaretten starben vielfach verwundete Soldaten an ihren schweren Verletzungen, oft noch in den letzten Kriegstagen. Fast täglich verstarben Säuglinge und Kleinstkinder an Infektionskrankheiten, die unter den Bedingungen der Flucht und der schlechten Hygiene grassierten. Es war eine Zeit des extremen Ausnahmezustands.

Wir benutzen Cookies

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.