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Geistliche Abendmusik immer sonntags 17 Uhr


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Die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Bad Doberan lädt auch im Oktober jeden Sonntag um 17 Uhr zu einer geistlichen Abendmusik in das Münster ein.

Eine terminliche Ausnahme: statt am Sonntag, dem 4. Oktober ist diese am Tag der Deutschen Einheit, am Samstag, dem 3. Oktober 2020.

Jede Veranstaltung hat einen musikalischen Schwerpunkt.


Die Musiken sollen die Möglichkeit bieten, Kirchenmusik im Münster zu erleben und einen weiteren Ort zur Einkehr, Besinnung und Ruhe im Wochenverlauf zu finden.

Die „Geistliche Abendmusik“ reiht sich ein in die derzeitigen Gebete/Andachten/Gottesdienste im Münster.

Der Eintritt ist frei; es wird am Ausgang um eine Spende für die Kirchenmusik gebeten.


Herzlich willkommen!


 

Samstag, den 3.10.20 17.00 Uhr „Orgelmusik zum Tag der Einheit“ (Orgel: Matthias Bönner)

Sonntag, den 11.10.20 17.00 Uhr „Französische Orgelmusik“ (Orgel: Giso Weitendorf)

Sonntag, den 18.10.20 17.00 Uhr „Johann Sebastian Bach“ (Orgel: Matthias Bönner)

Sonntag, den 25.10.20 17.00 Uhr „Orgelmusik der Romantik“ (Orgel: Matthias Bönner)

Samstag, den 31.10.20 17.00 Uhr „Bläsermusik zur Reformation“ (Posaunenchor Bad Doberan)

 

 

Neue Erkenntnisse zum Wirtschaftsgebäude


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Die Stadt Bad Doberan ist mit verschiedenen Partnern dabei, die aufwendige Sanierung des großen Wirtschaftsgebäudes im Kloster, auch Backhausmühle genannt, vorzubereiten. Die schriftlichen Quellen enthalten viele Informationen über die Nutzung und Restaurierungsgeschichte.


Zunächst kurz einige Eckdaten zum Vorhaben: Auf Initiative der CDU/CSU-Bundestagsfraktion beschloss der Bundeshaushaltsausschuss Ende Juni 2018, den Wiederaufbau des Wirtschaftsgebäudes des Klosters Bad Doberan mit fünf Millionen Euro Bundesmitteln zu unterstützen. Die hohe Förderung wurde u.a. begründet: "Das Wirtschaftsgebäude ist wesentlicher Bestandteil der ersten Klosteranlage Mecklenburgs und damit Ursprung des christlichen Glaubens in unserem Land. Das Ensemble mit dem Doberaner Münster ist ein kulturelles Aushängeschild und Anziehungspunkt für Touristen aus der ganzen Welt. Eine Unterstützung des Bundes wird helfen, das Ensemble zu vervollständigen und das kulturelle und touristische Potential noch besser auszuschöpfen. Davon profitiert unser ganzes Land“, so Eckhard Rehberg damals im Vorfeld des damaligen Ortstermins.

Die Stadt hat unterdessen einen hohen Betrag an Eigenmitteln beschlossen, und bringt das Vorhaben gemeinsam mit Planern und Behörden maßgeblich voran. Der Verein der Freunde und Förderer des Klosters Doberan unterstützt das Vorhaben seit Jahren mit dem Projekt "Ein neues Dach für neues Leben".

m Rahmen der Aktenforschung zum Münster stellt die Münsterverwaltung in Absprache und auf Bitte des Stadtbauamtes diesem und den derzeit tätigen Bauforschern Erkenntnisse aus den schriftlichen Quellen über die Restaurierungsgeschichte des Wirtschaftsgebäudes zur Verfügung.

Insbesondere die Akten des Landeshauptarchivs liefern interessante Hinweise für die frühe Neuzeit. Das Stadtarchiv Bad Doberan enthält zumeist die etwas späteren schriftlichen Quellen.


(Fortsetzung hier)

 

 

 

Die meisten Balken „verolmt und verfault“


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Hier ein kleiner Einblick in die Akten des Landeshauptarchivs:

1656 heißt es: „Die Kloster-Mühlen ist an Mawrwerck, Boden vnd Tach sambt einem Mühlengange in gutem Stande. Vor diesem seint 2 Genge beÿ dieser Mühle gewesen; itzund ist nur einer fertig vnd vermeinet man, daß der ander, weil beÿ so wenigen Vnterthanen nicht viel zu mahlen fallet, nicht nötig sein.“

Spätestens 1710 war in der Backhausmühle eine Amts-Branntweinbrennerei eingerichtet, betrieben durch den Bäcker Ernst Wusthoff. Von Trinitatis 1710 bis Trinitatis 1711 wurden 1.007 ½ Kannen Branntwein für 240 Reichstaler und 30 Schilling verkauft.

Auch die Mühlen des ehemaligen Klosters bedurften wiederholt baulicher Unterhaltung; so im Jahr 1755 das sogenannte Mülzhaus, der große heute zumeist nicht überdachte Bereich als Teil der Backhausmühle: „In der 1ten und 2ten Etage sind 2 alte boden unter denen Abseiten abgebrochen und die alten balcken nach der Scheure gerade gemachet und aufgefuttert worden damit die neuen bodens gerade und gleich geleget werden können (…)“.

Bereits 1750 sprechen die Akten von schadhaften Dächern und Boden auf diesem „Korn- und Mültz Hauße“. Zur Reparatur seien u.a. 10.000 Dachpfannen, eine Last gotländischer Kalk und Haare zur Beimischung in den Dachkalk notwendig.

kindermünsterführer

 

„1753 waren Arbeiten am Gebäude im Gange. Bei der Aufnahme von Brettern an den Böden waren die meisten Balken „verolmt und verfault“, so dass die neuen Bretter nicht einfach aufgebracht werden konnten. Diverse Nagelsorten und -mengen wurden abgerechnet, u.a. 1.000 Vierkant-Bodennägel für drei Reichstaler und 36 Schilling. Auch alte Luken und Türen wurden ausgebessert. Eine andere Rechnung führt das Abbrechen des alten Bodens, das Behauen von 23 neuen Balken und deren Aufbringung und Einkämmung auf den Platten und Unterschlägen auf. Zwei große Unterschläge von 76 Fuß Länge waren auf zwölf Zoll versackt und wurden mit Schrauben in die Höhe gebracht sowie mit Steinen und Eichenklötzern verbessert.

Die Bezeichnungen „Kornboden“, mitunter auch „Kornhaus“, treten wiederholt in direktem Zusammenhang mit dem Multzhaus (Malzhaus) auf und beziehen sich beim Vergleich mit anderen Akten hierbei mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht auf das heute als Kornhaus bezeichnete Gebäude, sondern auf den o.g. Teil des Wirtschaftsgebäudes. Eine Akte lokalisiert einen Teil des Mulzbodens über der Backhausmühle, eine weitere einen Teil des Mulzhaus-Bodens über dem Wagenschauer und über der Darre.


Martin Heider

 

 

Führungen nur sehr eingeschränkt für Gruppen


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Reste mittelalterlicher Glasmalerei (um 1300) zusammengestellt in einem Fenster im nördlichen Seitenschiff

Öffentliche Führungen und Sonderführungen finden auch im September nicht statt.


Sehr eingeschränkt sind nach Voranmeldung Führungen für Gruppen möglich. Anmeldungen sind für morgens gegen 10 Uhr bzw. am Nachmittag ab 15 Uhr möglich. Zu diesen Zeiten ist das Münster weniger stark durch Individualtouristen frequentiert und somit die Abstandregelungen einfacher einzuhalten.

Es wird erwogen, ab Oktober wieder einmal täglich eine öffentliche Münsterführung um 11 Uhr anzubieten.

 

 

(...) wher [wo] eß vonnottenn außbessernn (...)


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Das Landeshauptarchiv Schwerin (LHAS) birgt eine Fülle bislang unveröffentlichter Akten über das Doberaner Münster und die umliegenden Bauten. So liefern diese wertvolle Details über die große Sanierung der Kirche im letzten Drittel des 16. Jahrhunderts, beginnend rund ein Vierteljahrhundert nach der Klosterauflösung.

Die intensiven Vorbereitungen für die große Kircheninstandsetzung dokumentiert ein Schreiben vom 12. Oktober 1578 an Herzog Ulrich, wohl verfasst durch die herzoglichen Beamten in Doberan. Es informiert über die Besteigung der Kirche durch den Schieferdecker Meister Jacob von Hardewich, um einen Zustandsbericht, vermutlich einschließlich entsprechender Angebote, zu erstellen.

Der Meister Jacob van Hardewich veranschlagt am 2. Mai 1579 auf Verlangen der Amtsleute das Eindecken des "Kirchturms". Dabei wurden die Arbeiten unter alternativer Materialverwendung kalkuliert. Die Verwendung ungarischen Kupfers wäre deutlich kostenintensiver als Schiefer. Die Verwendung bzw. Verwertung bestehenden Kupfers und Bleis wurden ebenfalls erwogen.

Solches unterstützt die These einer metallenen Dacheindeckung bereits zur Klosterzeit. Es erfolgen konkrete Anweisungen über die zu beschaffenden Materialmengen.

Ein Memorialzettel vom selben Tag liefert weitere Details zu den Maßnahmen am Turm und dem Hohem Chor. "Erstlichenn soll ehr die Spitz mit Kopffer deckenn (..) Daß hogste Kor wiederumb, wher eß vonnottenn außbessernn vnnd mit Kopffer wentte ahnn den Thorn deckenn." Die Rinnen am Turm, für die Blei und Kupfer vorgesehen war, sollten den Regen vom Dach ableiten. Die Amtsleute hatten Nägel und alles weitere für die Rüstung zu beschaffen. Die Arbeiten hatten 14 Tage nach Johanni zu beginnen.

Ein am Folgetag erstelltes Schreiben belegt die wesentliche Rolle Herzogin Elisabeths am Erhalt der Doberaner Kirche. Sie forcierte und verantwortete die Vereinbarung über die konkreten Arbeiten des Turmdeckers Jacob von Hardewick. Die Turmspitze sowie der hohe Chor bis an den Turm heran, samt den Rinnen am Turm, sollte mit Kupfer, die vier Seiten des Turmschaftes mit Schiefer eingedeckt werden. Alle notwendigen Materialien waren zu beschaffen. Alles war so zu erledigen, dass die Fürstin „ein Gnedigeß gefallen darhanne haben soll“. Eine Honorierung von 90 Talern Arbeitslohn samt freier Kost und Logie erhielt Meister Jacob zugesichert.


Transkription und Auswertung der Akten: Martin Heider (Bad Doberan). Eine Veröffentlichung der vollständigen Transkriptionen der Akten mit detaillierten Quellenangaben ist geplant.

Martin Heider, 29.7.2020

 

 

Restaurierung: Bad Doberan im Austausch mit Riga


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Die OSTSEE-ZEITUNG berichtete am 29.7.2020 im Beitrag "Restaurierung von Kirchen: Bad Doberan im Austausch mit Riga": Vertreter der St.-Petri-Gemeinde Riga zu Besuch / Gotteshäuser haben viele Ähnlichkeiten

von Anja Levin


Bad Doberan. Der Rundgang ums Münster liegt hinter ihnen, jetzt sitzt Münster-Kustos Martin Heider mit seinen Gästen aus Lettland im Gotteshaus.

Sie schauen hoch zum Gewölbe, zu den Stützankern. Denn beim Besuch von Stefan Meissner, Ingrid Müller, Alexandra Belkius und Klaus-Rüdiger Tankrath von der deutschen St.-Petri-Gemeinde in Riga geht es vor allem um die Erfahrungen mit der Restaurierung der hochgotischen Kirche aus dem 13. Jahrhundert.

"Für uns ist das ein interessanter Lernprozess. Es geht zurück in die Geschichte“, sagt Stefan Meissner. Denn das Münster Bad Doberan und die Petrikirche in Riga hätten vieles gemeinsam. Das Münster sowie die Marienkirche in Rostock seien Vorbild für den Bau der Rigaer Kirche.

Der Rostocker Johannes Romeschottel war mit den Eindrücken aus Doberan und Rostock nach Riga gekommen und hat von 1408 bis 1409 die Petrikirche erweitert. „Wir finden vieles, was wir hier sehen, auch in der Petrikirche“, sagt Meissner. „Es gibt einen gotischen Kleeblattbogenfries, der kommt in Rostock und auch in der Petrikirche in Riga vor“, nennt Martin Heider ein Beispiel.

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„Wir hoffen für uns, aus der Bauunterhaltung und daraus, wie das Münster gepflegt wird, verschiedene Problemstellungen zu erörtern, die sich in der Petrikirche ergeben“, erläutert Meissner den Anlass des Besuchs. Das Münster habe einen riesigen Erfahrungsvorsprung, was die Erhaltung der Bausubstanz angehe.

"Wir müssen zum Beispiel unser historisches Gewölbe machen.“ Im Münster soll das Deckengewölbe ebenfalls saniert werden, seit 2010 wurde es bereits stabilisiert, indem neue Zuganker über die mittelalterlichen Zuganker gesetzt wurden. Beim Rundgang um das Münster sei auf die Regenrinnen geachtet worden. Diese kommen in den Akten 1580 zum ersten Mal vor [siehe den nächsten Beitrag]. „Wir haben keine Rinnen im Bereich des Obergadens und haben dadurch Backsteinschäden“, erläutert Stefan Meissner. Daher sei der Austausch enorm wichtig.

Als Obergaden bezeichnet man die obere Wandfläche des Mittelschiffs. Jede Kirche sei individuell, „aber die Verwandtschaft der Kirchen kann man sehen, das ist das Faszinierende“, sagt Stefan Meissner in Bezug auf Münster und Petrikirche. Ein Beispiel sei der Kapellenkranz. Auch in Riga sei das Gotteshaus in Kreuzform geplantgewesen. „Die Verzahnungen sind im Mauerwerk zu sehen.“ Doch das Querschiff wurde nie gebaut.

Der Austausch zwischen Bad Doberan und Riga – er soll bleiben und vielleicht auch eine Partnerschaft werden, ganz im europäischen Interesse.


Foto 1: Ingrid Müller (v. l.), Klaus-Rüdiger Tankrath, Alexandra Belkius und Stefan Meissner von der deutschen St.-Petri-Gemeinde in Riga tauschen sich mit Münster-Kustos Martin Heider aus. (Foto: Anja Levien)

Foto 2: St.-Petri-Kirche in Riga von Osten (Foto: Martin Heider, 15.10.2019)

Quelle: OSTSEE−ZEITUNG Bad Doberan, Mittwoch, 29. Juli 2020

 

 

„Kinderrundgang mit Tieren“ durch das Münster


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Seit Juli gibt es für Kinder und Familien eine neue Möglichkeit, das Doberaner Münster zu erkunden.

Mithilfe des neuen Rundgangblattes „Kinderrundgang mit Tieren“ erfährt man an verschiedenen Stationen Wissenswertes über ausgewählte Ausstattungsstücke. Dabei helfen die unterschiedlichen Tiere, welche die Kinder finden und identifizieren können.

Es gilt zum Beispiel den König der Lüfte, der auch ein Zeichen für das Göttliche ist, auf dem Gestühl zu finden, den passenden Tiernamen auf dem Rundgangblatt einzutragen und damit dem Lösungswort ein Stück näher zu sein.

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Dabei geht es nicht immer nur darum, tatsächliche Erkenntnisse weiterzugeben, sondern soll die Kinder auch ermutigen, eigene Zugänge zu finden. So hinterließ ein Kind im Gästebuch eine mögliche Erklärung für die besondere Darstellung eines Ausstattungsstückes: „Das ist bestimmt nicht fertig geworden, weil der Mann, der es geschnitzt hat, gestorben ist.“

Der Rundgang richtet sich an Kinder der ersten bis siebten Klasse zum selbständigen Lösen. Mit elterlicher Hilfe können auch Kindergartenkinder damit umgehen.

Das Blatt ist bei Besichtigung des Münsters kostenfrei an der Kasse erhältlich.

Konstanze Heider/Anne Jax

Foto 1: Anne Jax Foto 2: Pelikangestühlswange (um 1300) - Martin Heider

 

 

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