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Aus der Baugeschichte des Doberaner Münsters (4)


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von Martin Heider

Die ununterbrochene Weiternutzung des Areals


Tatsächlich war der Doberaner Klosterbezirk auch nach der Aufhebung der Abtei keineswegs eine verlassene Ruinenstätte, sondern als herzogliches Verwaltungszentrum offensichtlich durchaus so belebt wie in früheren Jahrzehnten.

Ein Verzeichnis aus den 1560er Jahren informiert über 58 auf dem Amt speisende Personen:

Der Hauptmann mit Frau, Magd, 2 Knechten und 1 Jungen, der Küchenmeister mit 1 Jungen, der Pastor mit 1 Jungen; der Kornschreiber, Hausvogt, Bäcker, Brauer, Kuhvogt, Scheunenmeister, Landreiter, 4 Personen an der Küche, 2 Mägde, 1 Kellermagd mit 1 Jungen.

Dazu im Backhaus:

Müller, Wagenknecht, 2 Schweinemägde. Ferner 1 Altermann, Pförtner, Reisigknecht, 1 Orgelist mit 1 Jungen, 2 Stadtknechte, der Müller in der neuen Mühle, 3 alte Frauen, 7 arme Leute, 1 Feuerböter und noch 5 andere Personen. Das Gesinde des Kammerhofes ist nicht mitgerechnet.

Im Frühjahr 1558 erfolgte wieder, wie in den Tagen des Klosters, ein herzogliches „Ablager“ in Doberan.

Für diese Hofhaltung soll eines der (leerstehenden?) klösterlichen Wohngebäude hergerichtet worden sein. Ein Sohn des Wittenberger Pfarrers Justus Jonas, eines der engsten Mitarbeiter Luthers, legte dem Herzog hier eine selbst verfasste Abendmahlsschrift vor.

Zahlreiche weitere Indizien belegen auch Investitionen in die Bausubstanz:

Für das Jahr 1558 existiert eine Abrechnung der Verzehrkosten der Visitatoren und der Auslagen für den Empfang und die Registrierung der Briefe der Klöster Doberan und Marienehe.

Dendrochronologische Untersuchungen von Balken des Mühlentraktes ergaben ein Fälldatum von 1558 (vgl. SCHUMANN 2006), was auf Umbauten bzw. Instandsetzungsmaßnahmen nur wenige Jahre nach der Klosterauflösung hindeutet.


Abb.:Münster, Ahnengalerie, Herzog Johann Albrecht I. von Mecklenburg-Schwerin (†1576). Foto: Herr Götze

 

 

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Im Juli 1564 hatte Herzog Ulrich von Güstrow kaiserliche, königliche, kurfürstliche und fürstliche Gesandte nach Doberan geladen. Dazu mussten Sänger aus Rostock aufwarten.

Der Organist Heinrich Rorling aus Rostock, „der daßmhall [auch dieses mal in Doberan] auch sonsten hernach aufgewartet“, bekam für seinen Dienst zwei Gulden und 14 Schillinge – Einen hauptamtlichen Organisten hatte Doberan 1564 offenbar nicht.

Die Doberaner Kirche besaß laut einem Inventar von 1552, dem Jahr der Klosterauflösung, zwei Orgeln, wobei eine nicht fertiggestellt war: „Ihnn derr Kirchenn (…) ii [2] Orgelnn, die eyne ist nichtt fertigk (…).“

Als 1564 eingesetzter erster hauptamtlicher evangelischer Ortspastor in Doberan gilt nach den Angaben des späteren Visitationsprotokolls von 1573 Magister Hermann Crispinus Kruse (Abb.).

Er wurde durch die Herzöge Johann Albrecht und Ulrich, die Patrone der Kirche waren, eingesetzt.

Auch seit der Klosterauflösung bis dahin war Doberan, wie in einer vorhergehenden Folge erwähnt, kein seelsorgerisch unversorgter Ort.


Abb.:Münster, Zugang zur Bülowkapelle, Grabplatte des Magister Hermann Kruse (†1599). Foto: Martin Heider

 

 

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