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Nachklösterlicher Gedächtnisort der Fürstenfamilie


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Abb.: Münster, Pribislavkapelle, Renaissance-Epitaph Herzog Magnus’ III. von Mecklenburg (†1550), um 1565. Foto: M.H.

von Martin Heider

Um 1565 wurde im Doberaner Münster das Renaissance-Epitaph für das Grabmal des ersten Gemahls der Herzogin Elisabeth, Herzog Magnus III. von Mecklenburg (†1550), fertiggestellt (Abb.). Es wurde von einem nicht näher benannten Künstler aus der Baumeister- und Architektenfamilie Parr oder deren Umkreis geschaffen. Nachweislich arbeitete Jacob Maler (auch Jacob Richert genannt) 1565 an der Rahmung des Epitaphs. Herzogin Elisabeth weilte laut dem Epitaphtext jährlich zum Totengedenken in Doberan. Sie hatte entscheidenden Anteil daran, dass Doberan sich nicht zu einem reinen Wirtschaftshof entwickelte, sondern ein wesentlicher Gedächtnisort der Fürstenfamilie blieb.

Im Jahr 1567 wurde erneut eine herzogliche Bestattung in der Doberaner Kirche erwogen. Am 19. Juni starb Herzogin Anna von Brandenburg, Witwe des im Doberaner Oktogon beigesetzten Herzog Albrecht VII. von Mecklenburg (†1547). Das Testament, welches die Kirche in Lübz als Bestattungsort vorsah, wurde erst nach der Bestattung aufgefunden. Einer der Söhne, Herzog Ulrich von Mecklenburg-Güstrow, favorisierte zunächst die alte Familiengrablege: Die Mutter möge „gegen Dobbran bej vnserm geliebten herrn Vater [...] hette gebracht werden mugen“. Letztendlich einigte er sich mit seinem Bruder, Herzog Johann Albrecht I., darauf, sie im Schweriner Dom zu bestatten. Die Option Doberan spricht ebenfalls für einen insgesamt nach wie vor befriedigenden Zustand von Kirche und Anlage.

Nachweisbar sind auch weiterhin Stiftungen zur Kirchenausstattung. In der Chronik Eddelins von 1664 ist etwa ein Epitaphiengemälde für den 1571 gestorbenen Hinrich Möller bezeugt, auf dem ein Jüngstes Gericht dargestellt war. Dieses frühe nachreformatorische Ausstattungsstück blieb leider nicht erhalten.

Im Jahr 1574 finanzierte Herzog Johann Albrecht, dem bislang aufgrund einer wohl eher missdeutenden Nachricht vom 15. Januar 1553 der massive Raubbau an der Doberaner Gebäudesubstanz zugeschrieben wurde, gemeinsam mit seinem Bruder Ulrich Instandhaltungsarbeiten an der Doberaner Kirche. Er schrieb an seinen Amtmann: „(…) Nachdem der hochgeborne fürs[t]l: Herr Vlrich Herzogk zu Meckellenburgk vnser freundlichen lieber bruder vnd gefatter vns freundlich zuerkennen gegeben. Welches gestald an der Kirchen zu Dobran das Tachs auff einer seiten auch zwei fenster etwas mangelhafftig seyen welchem allem mit 4 oder 5 R[eichstaler] geholfen werden könte (…). Als ist vnsre befehl das du vnsers Theils neben Hochgemeltes vnsers bruders amtman damitt angeregte besserung an der Kirchen (…) fürderlich geshen möge (…)“. Johann Albrecht war also zumindest zu diesem Zeitpunkt um die Pflege des Münsters besorgt!

Auch eine weitere Akte, höchstwahrscheinlich entstanden um 1570/75, bezeugt die Bemühungen des Herzogs um die Finanzierung der umfänglichen Sanierungsmaßnahmen an der Doberaner Kirche. Der Überschlag veranschlagt u.a. 10.000 Mauersteine, 8.000 Dachsteine, 45 Last Kalk und 100 Stücke Eichen-Bauholz, sowie die zu zahlenden Löhne und zu leistenden Naturalien.


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