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750 Jahre Rabenhorst im Kontext des Klosters und Amtes Doberan


rabenhorst

Bildnachweis: Ostseezeitung

Teil 1: Von der Ersterwähnung im Jahr 1273 bis kurz nach dem 30jährigen Krieg

von Martin Heider (Bad Doberan)
Das Dorf Rabenhorst begeht in diesem Jahr seine 750-Jahr-Feier. Dies geschieht bezugnehmend auf die Ersterwähnung in einer Zehnturkunde vom Schweriner Bischof Hermann im Jahr 1273 zugunsten des Klosters Doberan. Auch in nachklösterlicher Zeit – nun war Doberan Sitz des herzoglichen Amtes (Domanialamtes) – bestanden enge Verbindungen zwischen den beiden Orten.
Insbesondere für die Frühe Neuzeit sind die Archivalien auch in Bezug auf Rabenhorst wenig erforscht. Daher wurde im Frühjahr dem Wunsch der Rabenhorster entsprochen, ihnen aus meinen durch die Akten- und Literaturrecherche der letzten Jahre zusammengestellten Unterlagen zuzuarbeiten. Zum Ende des Jubiläumsjahres sollen nun Auszüge daraus im Münsternewsletter veröffentlicht werden.
(Auszüge aus: Martin Heider – Die Geschichte von Bad Doberan – Vom Mittelalter bis in die Gegenwart nach zeitgenössischen Quellen – 13 Bände (sukzessive in Arbeit, unveröffentlicht) – Chronologisch geordnete Datensammlung; Urkunden, Akten, Literatur, Zeitungsartikel und weitere schriftliche Quellen samt Erläuterungen und Quellennachweisen – Stand 24.10.2023)

 

 Rabenhorst im Mittelalter / in der Klosterzeit

1273: Die Zehnturkunde vom Schweriner Bischof Hermann zeigt die schnelle Entwicklung des Klosterterritoriums im näheren Umfeld im Vergleich zu den Bestätigungen im Jahr 1232. Es werden erstmals die Dörfer Allershagen, Bartenshagen, Rabenhorst („Rauenhorst“), Rethwisch, Nienhagen, Steinbeck, Glashütte, Glashagen, Steffenshagen, Bollhagen, Wittenbeck und Boldenshagen genannt.1
15.09.1284: Urkunde MUB 1753, Ausstellungsort Bützow: Hermann, Bischof von Schwerin, weist die Pfarrer zu Parkentin, Steffenshagen und Rabenhorst an, das Kirchweihfest an ein und demselben Tag mit dem Kloster Doberan zu begehen - ein Beleg für eine Pfarre und einen Sakralbau in Rabenhorst.2
07.07.1299: Urkunde MUB 2568, Ausstellungsort Warin: Gottfried, Bischof von Schwerin, trennt die Pfarre Rabenhorst wieder von der Pfarre Parkentin, mit welcher er sie früher vereinigt hatte, und gestattet dem Kloster Doberan, sie durch einen Mönch verwalten zu lassen.3
1312: Urkunde MUB 3520. Verzeichnis des Kriegsschadens, welchen die Rostocker im Jahre 1312 dem Kloster Doberan in seinen Gütern zugefügt haben. Zu den Geschädigten gehörte auch die „grangia nostra Rauenhorst“ (unsere Grangie / Klosterhof in Rabenhorst). In dieser Urkunde wird der Mönch Heinrich von Sunthim („fratris Hinrici de Synthim“) als Hofmeister in Rabenhorst genannt.4


1 WICHERT 2000, S. 27, 30 u. 31. nach Urkunde MUB 1297.
2 MUB 1753, Band III (1865): Nr. 1558–2425 (1281–1296).
3 MUB 2568, Band IV (1867): Nr. 2426–2723 (1297–1300), S. 115-116.
4 MUB 3520. Band V (1869): Nr. 2724–3581 (1301–1312), MALCHOW 1880, S. 69-75.

um 1312: Das Kloster Doberan war agrarpolitisch sehr aktiv. Von Anfang an lag dem Kloster daran, viele und gute Ansiedler zu bekommen. Die Siedler, Bauern und Kossaten, waren noch verschont von den vielen später so drückenden Abgaben. Daher kam der Spruch auf „Unter dem Krummstab (=dem Kloster) ist gut leben“.
Als um die Wende des 13. Jh. die Zahl der Klosterinsassen stieg und nicht mehr genug gerodetes Land für Hofgründungen vorhanden war, musste das Kloster zur Bauernlegung greifen. Im Jahre 1297 war Rabenhorst noch Kleinbauerndorf, fünfzehn Jahre später dann Klosterhof. In derselben Zeit entstanden auch die Höfe in Bollhagen und Rethwisch.
Den Urkunden nach ist jedoch zu schließen, dass das Kloster bald wieder davon abkam, kleine Bauernsiedlungen in Höfe zu verwandeln. Das Kloster wählte die jeweils ihm günstigste Form.5
1334: Johann wird als Hofmeister des Klosterhofes in Rabenhorst erwähnt.6
Mitte des 14. Jh.: Kirchenpatronat des Klosters Doberan: Doberan hatte in der Mitte des 14. Jahrhunderts folgende Kirchenpatronate inne: Kröpelin, Steffenshagen, Parkentin, Rabenhorst, dafür später Rethwisch, Stäbelow, Gallin, Neuburg, Dreveskirchen, Dänschenburg.7
02.05.1455: Laut einer Urkunde war ein Mann namens Radolf Hofmeister des Klosterhofes Rabenhorst („Radolphi rectore curie in Rauenhorst”).8

 

Rabenhorst in der Reformationszeit

1541/42: Die landeskirchlich angeordnete Kirchenvisitation fand auch im Doberaner Umfeld statt, darunter auch in dem Kloster zugehörenden bzw. nicht zugehörenden Pfarren. Die Protokolle zeigen ein differenziertes Bild und thematisieren verschiedene Aspekte des kirchlichen Lebens; konfessionelle, seelsorgerische und wirtschaftliche.
Über Redewisch (Rethwisch), wozu u. a. Rabenhorst gehörte, heißt es: Patronus ist der Abt zu Dobbran. Pastor ist ein Münch zu Dobbran, ein Papist, und ist nicht [zur Visitation] gekommen.“9
Ob dieser Mönch der alte Berend Busebart war, von dem 1578 Paul Heppener sagt, er sei zu Zeiten der Abtei Pastor in Rethwisch gewesen, ist aus den schriftlichen Quellen nicht zu ersehen.10

 

Die Zeit von der Klosterauflösung zum Domanialamt Doberan

07.03.1552: Laut dem Inventarium zum Zeitpunkt der Klosterauflösung hatte der Hof Rabenhorst folgende Anzahl Kühe und Ochsen:
„Auff dem Hofe tzue / Rauenhorst //
xx [20] Mulcke Kuhe
xiii [13] Guste Kuhe
viii [8] Ochsenn von v [5] iarenn“11


5 BARNEWITZ 1925; HEIßEL 1939, S. 105-106; MUB 8489 a.d. J. 1358, MUB 2568, 3520.
6 MALCHOW 1880, S. 74-75.
7 Heinrich SCHNELL. Das Unterrichtswesen der Grossherzogtümer Mecklenburg-Schwerin und Strelitz, Band 45. A. Hofmann & comp., 1909.
8 WICHERT REGESTENSAMMLUNG nach Regesten XII, Findbuch 418a/b, gedruckt bei Lisch, Urkundliche Geschichte des Geschlechts von Oertzen, IIb, S. 157-161, Nr. CCXX.
9 SCHRÖDER 1788, S. 446.
10 SCHLIE 1899, S. 694.
11 Akte LHAS 2.12-3/2-9 Nr. 30, S. 29. Transkription der gesamten Akte: Martin Heider (Bad Doberan).

1552: Die lange Liste der allgemeinen Ausgaben des Amtes Doberan im Amtsgeldregister 1552 liefert wertvolle Angaben für Instandsetzungsarbeiten und die wirtschaftlichen Aktivitäten in der Übergangszeit vom Kloster zum Domanialamt. Ausgaben entstanden u. a. für die Köchinnen und Mägde auf den Höfen Rabenhorst und Rethwisch, die Butter für die Osterfeierlichkeiten offenbar an das Doberaner Amt lieferten. Die Summe aller Ausgaben des Amtes beliefen sich auf 594 Reichstaler, 10 Schilling, 6 Denare.
„Gemeine vüthgaue [=Ausgaben] // (Auszug)
v [5] ß den Beidenn kakeschenn [=Köchinnen] vnde iiii [4] Me-
gedenn vp den Beidenn hauenn [=Höfen] Thor [=zu] Ra-
uenhost vnde Redewisch ehr gebur [=Gebühr] Alse
se van einem Jederenn haue [=Hof] Brochtenn [=brachten]
i [1] verentel [=Viertel] Botterenn [=Butter] ahm Mandage in
den hilligenn Osterenn Firdagenn.12
weiter 1552: Auch die Auflistung der Löhne für die Dienstboten liefert einen wertvollen Einblick in die wirtschaftlichen Aktivitäten und den personellen Umfang während des Transformationsprozesses vom Kloster zum Domanialamt Doberan. Lohnzahlungen betreffen sowohl die Zeit vor und nach der Klosterauflösung. Sie dokumentieren anstatt eines abrupten Systemwechsels personelle Kontinuität.
Aufgeführt sind auch Bedienstete zu Rabenhorst, so eine Köchin, zwei Mägde und ein Kuhhirte:
„iii [3] R viii [8] ßl der Kakeschen [Köchin] thor Rauenhosth ere lon [Lohn]
ii [2] R xvi [16] ßl denn Beidenn Megedenn vp
dem haue thor Rauenhorsth vor i [1] Jar lohn
vii [7] ßl dem koherdenn [Kuhhirten] thor Rauenhorsth vor ein
verentel Jar.“13

 

Die wirtschaftlich guten Jahre vor dem 30jährigen Krieg

1610: Ein wertvolles Zeugnis ist das Inventar der zum Doberaner Amt gehörenden „Bauhöfe“ (Bauernhöfe) von 1610. Es enthält wesentliche Angaben zum Gebäudebestand knapp 60 Jahre nach Klosterauflösung, noch vor den Wirren und Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges.
Auf dem Hof Rabenhorst befanden sich ein Bauernhaus, eine große neue Scheune, ein langer Stall, ein Schweinehaus, ein weiterer Stall, ein Gänsestall, ein neues Käsehäuschen, gemauert und mit Ziegeln gedeckt, sowie ein altes Backhaus. An Gärten bestand ein Hopfengarten, ein Wiesengarten mit einem Teich und etlichen Obstbäumen. Hinter dem langen Stall war ein Kohlgarten, am Backhaus ein schöner Baumgarten. 100 Fuder Heu konnten „geworben“ werden, es ist die Rede von Kapazitäten für 300 Rinder und 50 Schweine. Es gab auch „weiche Holzungen“ (Wälder), wovon den Bauern etwas verkauft werden konnte. 100 Gänse wurden gehalten.
„Inventar der / Bauhöfe des / Amts Doberan / 1610
Staatsarchiv Schwerin / 1 C 3/11 / LHAS / Nr. 8
[Bl. 4 (S. 4)]
Inventatio und Beschreibung / der Bawhofe Im Ambtt / Dobberan.
Anno 1610 p
[Bl. 4 (S. 5)]


12 Akte LHAS 2.22-10/7 (Domanialamt Doberan) Nr. 616 (Amtsgeldregister). Transkription: Martin Heider.
13 Akte LHAS 2.22-10/7 (Domanialamt Doberan) Nr. 616 (Amtsgeldregister). Transkription: Martin Heider.

 

Der Hoff Rauenhorst und / desselben gebewte.
Erstlich daß Bawhauß und hinden vnd vorne in / Scherwergk gemauret von 22. gebintenn, / Eine große Newe Scheune vonn 25. gebintenn, / Ein langer Stall vonn 44. gebintenn zue Hofewerts / inn Holzwerck gemaurett. / Ein Schweinhauß vonn 5. gebintenn. / Noch ein stall vonn 11. gebintenn. / Ein Gense stall vonn 5. gebintenn. / Ein Newe Keseheuschenn vonn 2 gebinnten ge- / mauret, mit Ziegell bedeckett, / Ein Altt Backhauß vonn 4. gebintenn.
Gartenn / Ein Hopfengartte, / Item ein Wisegartte, gehet ann einer seitenn umb den / Hoff herumb, sambt einem Teiche, darin auch / etliche Obstbaume. // [Bl. 5 (S. 6)] Hinter dem Langenn Stall ein Kohlgartte, / Am Backhause ein schoner Baumgartte, darin / ein Teich.
Buten dem Hofe ein hopfenhoff furm Thore. / Item Ein Koppell.
Hew. / 100. fuder hew können geworben werdenn, / 300. Heubter Rindtviehe könten in winter geschlagen / vnnd außgefuttert werden, wan daß / Futter woll gedeÿett.
Item 50. Schweine. / Kontenn bißweilenn woll 18 oder 20 Tonnenn / geschlagenn werdenn,
So wehre auch bei diesem Hofe notturfftige weiche / Holzungen, Daß auch den Paurenn woll / etwas kan verkaufft werdenn, / Item 100. Gense wurdenn gehaltenn,“14
02.07.1611: Das Amtsinventar führt die Vorräte des fürstlichen Amtes Doberan auf der Westseite („Alte Herrn seit“) und der Ostseite („Jungen Herrn seitt“) des Doberaner Klosterareals auf. Außer Finanzen werden Getreide, weitere Nahrungsmittel, Pferde, Rinder und weitere mitunter große Mengen Vieh auf den zugehörenden Amtshöfen aufgeführt. Folgende Vorräte werden der westlichen Seite zugehörend für Rabenhorst aufgeführt. Dabei hat der Hof von den sieben aufgeführten Amtshöfen den höchsten Bestand an Rindern und Gänsen.
„B [Der Alte Herrn Seite = Westseite des Klosterareals]
Verzeichnus alleß Vorahtts deß F[ürst]l.[ichen] / Ambtts Dobbran auff der Alten / herrn seit, An gelde, Korne, / Viehe Victualien, Vnd / annderm, den 2 Julÿ
5 Pferde
216 heubter Rindttuiehe
168 heubtter Schweine
405 Gense
110 Honer [Hüner]
8 [Stöcke] Immen [Bienen] Zur Rauenhorst.“15


1611: Nach dem Tod Herzog Karls 1610 gelangten die Brüder Adolf Friedrich und Johann Albrecht II. zur gemeinschaftlichen Regierung im gesamten Herzogtum. Infolge des Fahrenholzer Erbvertrags von 1611 und der im Jahr 1621 vollzogenen Teilung gingen das einnahmestarke Doberaner Amt und das Kloster ungeteilt an die Herrschaft Mecklenburg-Schwerin und damit an Herzog Adolf Friedrich.16 Es kam mitunter zu Jahreseinnahmen des Amtes von 40.000 Talern.17 In Folge des Vertrags übernahm das Klosteramt elf Höfe, die meist verpachtet wurden. In eigener Bewirtschaftung des Domanialamtes blieben in Doberan der Kammerhof und der Ziegelhof und der Hof Rabenhorst.18


14 Akte LHAS 2.22-10/7 (Domanialamt Doberan) Nr. 8 (Bauhöfe /Amtshöfe), Bl. 4-5. Transkription: Martin Heider.
15 Akte LHAS 2.22-10/7 (Domanialamt Doberan) Nr. 9 – Amtsinventar. Transkription: Martin Heider.
16 Vgl. MINNEKER 2007, S. 317, bezugnehmend auf HEIßEL 1939, S. 127 und LORENZ 1958, S. 87.
17 GRIBNITZ, S. 35.
18 HEIßEL 1939, S. 133. Nachdem der Doberaner Ziegelhof im Laufe des Dreißigjährigen Krieges durch Brand verloren ging, kam dessen Acker zum Doberaner Kammerhof.

 

1615: Das Amtsinventar von 1615 enthält auch eine Geräte- und Inventurliste für die Gebäude und Räumlichkeiten auf dem Hof Rabenhorst. Es zeugt anschaulich vom wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben auf dem Hof des Domanialamtes.
„Inuentarium des Furstlichenn / Hauses Vnd Closter Ambtts / Dobbrann Ao, 1615

Haußgeraht zur Rauenhorst,
In der Stubenn
1 Disch [=Tisch]
2 Vmbgehende Bencken in einander gefugtt,
1 Kachelofenn,
[S. 203] In der Schlaff Cammerr,
1 Bette spunde mit Linenn
1 Fueßbencke
1 Bancke furm fensterr
1 Schloßfeste Thuerr
In der Mulcken Cammerr [=Milchkammer]
3 Vmbgehende Milchbencken Von 8 schaurnne,
1 Kachelofe
1 Schloßfeste thuerr
In der Kuchenn [=Küche]
1 Tonnen Kesel
¼ Tonnen Kesel
1 Kupfferen handt kesell
2 Mißingesche Kesel davon 1 Vnduchtigk,
1 New Meßniges handtkesell
5 Grapfenn,
1 Mißinges Beckenn,
1 Eiseren Feurstulpe
1 Große Eiseren Leuchte
1 Roste
2 Keßelhackenn
1 Lenckhakenn
1 Eiseren Spade
[S. 204] 1 Eiseren Schuffell
1 Große Kerbsage,
2 Exen
1 Mißforcke
1 Schapff mit 2 scheurenn,
2 Eiseren Hopffen Harcke,
1 Langer Disch
1 Lange Bancke
1 Drage Ballÿr

 An betten Vnd Leinengerehte
10 Bettenn,
7 heubt pfuhle
9 Pahr Lacken Von 2 bredenn,
4 decken mit Leinnenwandt gefuttert, 2 Noch vom Closter, weil
die andern Vntauglich1 Fleßen Dischtuch von 2 bredenn,
3 Dischtucherr Von 1 ½ bredenn, 
4 Geklouede handtucherr  Vorß Gesinde.19

1 Diechtroch
4 Stöele
2 Holtzern kannenn,
1 Temes
1 Seue,
2 Steine zur Senpffmuhle,
5 Haspell
6 Spinrade
2 Butterfese mit der winden,
300 Milch löep kenn,
11 Milch spane,
2 Halbe Rahm Thunnen,
1 Butter Molde
2 Eiseren Feuerhakenn,
5 Kestnappo
2 Couentes Thonnenn,
1 Kuunenn,
1 Groß Kubich
[S. 205] 4 Kelber Ballÿenn,
9 Holtzern schußelen,
20 Holtzerne Bricken,
1 Brandtruhte
1 Wihren Seue,
1 beschlagen scheffell
1 halß Eiserenn
1 Eiseren hunde kette,
4 Vorhengende schloße
1 Groß Kuhen mit einem Vorhangenden
schloße zum drogene fleische,


Beim Höeker daselbst
2 Neueggerr
1 Amboldtt
1 harhamerr
1 handtbiel
2 Schneidemeßerr
1 Fertige Schneidelade
1 Tochmetzerr,
1 Durchschlach

 

Der ausgeplünderte Hof Rabenhorst im 30jährigen Krieg

02.01.1632: Die Doberaner und Neubukower Amstleute Jochim Vieregge und Lennhardt Raßouwen klagten der Herzogin den verheerenden Zustand der beiden durch englische und schottische Soldaten verwüsteten Ämter und baten um Unterstützung zur Wiederherstellung des wirtschaftlichen Betriebs auf den Höfen. Der Hof Rabenhorst war vollständig ausgeplündert, alle Fenster, Türen, Kisten und Kästen entzwei- und aufgeschlagen. Ein Bauersknecht starb nach sehr schweren Verwundungen, dem Hofmeister wurde alles weggenommen. Das herzogliche Vieh - Rinder, Schweine, Gänse, Hühner und Enten - wurden geraubt.
[Blatt 28 (S. 43)]
„Durchleuchtige Hochgeborne Furstin vnd Frawe / Ewer H.[erzogliche] G.[naden
Der Dobberanschen und Neu= Buckowschen / Beamten Bericht von dem Zustande der durch / das Schottische Volck verwüsteten / Ämbter Dobberan und Neü= Bukow / und deren Versorgung mit Saat= / Gerste Rind= Schaf= Viehe und Schweinen / betr. de dato 2 Januar 1632.
[Bl. 28 (S. 43)]
Durchleuchtige Hochgeborne Furstin vnd Frawe / Ewer H.[erzogliche] G.[naden] seint vnser vnterthenige, gehor= / same vndt pflichtschuldige dienste zuuoraus / bereit. Gnedige Fürstin vnd Fraw E. F. / g. Jungst mit gegebenes Schreibens ann den Herrn / Feldtmarschalh Achatio Rotten so ihme zuhanden / gestellet, deßenn beigefügt seine schriftliche / Andtwortt in gnaden zu empfanagen Obwoll / E. f. g. wir die Andtwortt alsobalt wird / zuruck schicken wollen, so konnen wirs / wahrlichen mit Gott bezeugen, daß wir / biß dato Keines eintziehegen Menschen bemech- / tiget geweßen, E. f. g. solche Andtwortt / nacher Schwerin zuzuschicken, Besonderen / dieses Ampt überall mit der Engelschenn / Schottischen Soldatesca belegt geweßen, / E. F. G. ampt dergestalt ruinirt aller / eüserst verdorben vndt auß gepfundertt, / daß es nicht gnugsam zuschreiben, Auch / E. f. g. eigene Meyerhöffe nichts weinigers / verschonet, waß en dann auff deme Meyer- / hoff Lamprechtshagen, Hinter Bolhagen / die officirer eigens gewalts sich einquar- / tiret, denn hoff Rauenhorst ganz auß= / geplündert, alle fenster thüren, Kisten / vndt Kasten zweigeschlagen, auffge- / hauwen, vnndt einen Armen baurs Knecht / sehr schwer auff den Todt verwundet dem / Hoffmeister alle daß seinige abgenommen // [Bl. 28 (S. 44)] vndt in die handt sehr hart beschediget E. / f. g. Rindtviehe, Schweine Gense Hüner vndt / Enten vonn gedachtem Hoff abgenommen vnd / weghgetrieben. So mehren theils biß / vff etliche stücke Viehe Gense vnd Huner / wieder bekommen auch in dem dorff Ret- / wische einen baurhoff abgebrandt vnndt / (…)

(…) nun E. f. g. Ampt zum theil auch die / Meyerhöffe fast gar wüste wirdt die / hochste noth erfordern, auff Mittell / bedacht zu sein, wie dennoch in etwaß / so viell müglich daßelbe in den Standt / wieder zusetzen damit auff daß // [Bl. 29 (S. 45)] vor Jahr gants Gott die saeth der gebühr / nach bestellet werden müchte, [Bl. 29 (S. 46)] fallen laßen.
so erinnern E. f. g. sich auch allerwegne,- / digst, waß hiebevorn bey deroselben / wegen mangelung ann Rindt: vnd shaff / viehe auch Schweinen zu wieder besetzung / der Ampts Meyerhöffe in vnterthenigkeit / gesucht mit gnediger verströstung bey an= / dern emptern erkündigung anzustellen / Ob deßenn berürter nothwendigen behueff / etwaß anhero auffzubringen, Mitt vn= / tertheniger hochfleißiger pitte E. f. g. / deßenn in gnaden eingedenck zubleiben. / Welches deroselben wir in vnterthenig- / keit nicht vorenthalten sollen, Vnndt / verpleiben E. f. g. zu vnterthenigen gehor- / samen diensten pflichtschuldig vnndt mehr / dann willig wo mit E. f. g. zue / allem furstl. wollergehendt vnd gluck- / licher friedsamen Regierung der hochsten / Allmacht Gottes in vnterthenigkeitt / getreülich befehlend Dobberan denn / 2. January Ao: 1632.


19 Akte LHAS 2.12.-3/2-9 Nr. 30, S. 202-205 – Inventar von 1615. Transkription Martin Heider. Die Bereichs-, Gebäude- bzw. Zimmerbezeichnungen sind hier zur leichteren Zuordnung und Lesbarkeit hervorgehoben

 

20.01.1632: Das Inventarium des Fürstlichen Klosteramts Doberan enthält ein Verzeichnis, wieviel Gersten und Hafer auf den Meierhöfen in jenem Jahr zum Säen veranschlagt wurde. Damit sollte offenbar die Getreidewirtschaft auf den massiv durch kriegerische Truppen geschädigten Höfen wiederhergestellt werden. Die Auflistung ermöglicht einen Vergleich der Größe der Getreidewirtschaft auf dem Hof Rabenhorst im Vergleich zu den anderen Amtshöfen.
„Inventar / des Amtes / Doberan / 1632
Bauwern / Vieh Aussaat
[späterer Aktenvermerk:] Staatsarchiv Schwerin / 1 C 3/11 / D.[omanial] A.[mt] Doberan / Nr.17
[Bl. 1 (S. 2)]
Inventarivm deß / Fürstl.[ichen] Kloster Ambtts / Dobberann“
[Bl. 2 (S. 3)]
„Vortzeichnuß waß auff die / Meӱerhoeffe in diesem Ambtt / an gersten vndt habern diese / Jahr zu Seӱen vorhoeffett,
Ziegelhoeffe [=Doberaner Ziegelhof] / 16 drot Gersten / 8 drot habern
Cammerhoeffe [=Doberaner Kammerhof] / 20 drot Gersten / 16 drot habern
Altenhoeffe [=Althof] / 20 drot gesten / 16 drot habern
Raffenhorst [=Rabenhorst] / 18 drot Gersten / 16 drot Habern
Schefferbolhagen [=Schäferbollhagen – heute Vorder Bollhagen] / 24 drot. Gersten / 16 drot Habern
Hinterbolhagen [=Hinter Bollhagen] / 16 drot Gersten / 131/2 drot Habern
Hutten [=Hütten] / 4 drot Gersten / 6 drot Habern
118 drot Gersten / Lat. 91 ½ drot Habern
[Bl. 2 (S. 4)]
Lamprechtshagen [=Lambrechtshagen] / 17 drot Gersten / 16 drot Habern
Retzkow [=Retschow] / 16 drot Gersten / 4 drot Habern
Jenneuitz [=Jennewitz] / 13 drot Gersten / 10 drot Habern
46 drot Gersten / Lat. 30 drot Habern
Summar: Aller Sommersaeth / deß Amptts Dobberan
164 drot Gersten / 12 ½ drot Habern.“21
1634/35: Die Amtsrechnung von 1634/35 zeugt von Instandsetzungsarbeiten und Investitionen sowie von Streben nach wirtschaftlicher Funktionalität in vom Krieg geprägten Zeiten. Der Hof Rabenhorst kommt u. a. bei den Einnahmen aus Obst und Gemüse vor. Dazu zählen am 13. September 1634 Äpfel, die offenbar durch einen Sturm heruntergefallen waren. Es handelt sich um die größte Einzelposition in dieser Kategorie.
„Einnahme Geldt von / Gartengewechse, / vndt Obst.
von Rabenhorst, so der windt abgeschlagen 13. 7 bris [=13. September]
14 R 8 ß. vor 18 thon Epffell von Rabenhorst,
8 R 20 ß vor 10 thon Epffell vom Ambte, 9 tn oct:
10 R 4 ß. vor 12 thon Epffell zu Rostock, 11 tn oct:
8 R 12 ß. vor 10 thon Epffell in Rostock, 18 tn oct:
3 R vor 4 thon Epffell vndt


20 Akte LHAS 2.22.-10/7 (Domanialamt Doberan) Nr. 2 - Bl. 28-29. Transkription Martin Heider
21 Akte LHAS 2.22.-10/7 (Domanialamt Doberan) Nr. 17, S. 1-4. Transkription: Martin Heider.

 

3 R 12 ß vor weiß Koell, den 22 tn Oct:
7 R vor weiß Koell, den 3 tn Novembr:
5 R 12 ß Noch vor weiß koel, den 8 tn Novemb: vndt
15 ßl. vor Epffel. E. d.
Summa vor Gartengewechse,
97 R 19 ß.“
[S. 54]
Das Amt zahlte 1 Reichstaler an die Bauersfrau zu Rabenhorst für 12 Tonnen Butter:
„Aussgabe Geldt den Baw Muttern / Vor Butter zuschlagen,
„1 R vor 12 Thonnen zur Rabenhorst“
[S. 62]
Zu den Ausgaben zählten auch drei Scheffel Erbsen als Entlohnung „den Zimmer Leuten vff 14 tage daß sie auff / Rabenhorst gearbeitet“. Diese Notiz zeugt von Instandsetzungsarbeiten auf dem Hof, möglicherweise der Beseitigung von Kriegsschäden.22

 

Die Zeit nach den kriegerischen Ereignissen in der Region

1644: Das Amtsgeldregister enthält für Rabenhorst verschiedene Eintragungen, so über die Anzahl der Bienenstöcke, die daraus generierten Einnahmen aus Honig und Wachs. Neun Schock Eier gingen an das Amt. (LLb=Lißpfund, Lb=Pfund)
„Amt Doberan / Amtsregister 1644
[S. 77]
Einnahme Immen [=Bienen]
Stöcke Auff Trinitatis 1643 In Vorrahtt,
0 besondern hatt der Hoffmeister zur Rabenhorst
zum halben theil gesetzet,
4 Stöcke Summa per se.
Darzu
8 Noch Zeit gelaßen, vndt Junge zu gekommen,
Summa per se
Summarium 12 Stock
Abgangk
7 so nicht Vberstehen können dauon abgestoßen,
vndt daß werck laut geldt Register Verkaufft.
Summa per Se
Pleiben 5. Stöcke
[S. 78 – Auszug]
LLb Lb Einnahme Honig vndt Wachs
12 13 vor 7. zur Rabenhorst abgestoßene Stöcke, / Immen,
Summa p Se.
Ausgabe
12. Lißlb 13 lb laut geldt Register an Hinrich
Westpfahlen in Rostogk Verkaufft, à Lißlb
25 ßl den 22 Sept: [1]643.
Summa per se
Pleibet Voraht a honig oder wachß,


22 Akte LHAS 2.22-10/7(Domanialamt Doberan) Nr. 626. Transkription: Martin Heider.

 

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