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850 Jahre – Bestattung der Fürstin Woizlava (†1172)


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Das Beinhaus fand auf dem "Tag der Backsteingotik" wieder großes Interesse. Es bestehen in der Regel viele Fragen der Besucher zur ehemaligen Nutzung, Bedeutung, Gestaltung und vor allem zu den Wandmalereien. Für diesen Tag wurde ein zweiseitiges Informationsblatt mit wesentlichen Informationen zusammengestellt, die für Sie nun auch hier im Newsletter zugänglich gemacht werden.

Bedeutung, Geschichte, Nutzung

Das Beinhaus (Karner) auf dem ehemaligen Mönchsfriedhof diente als letzte Ruhestätte der Mönchsgebeine im Kellergewölbe, die bei der Neuanlegung von Grabstellen entdeckt wurden. Es wurde als Kapelle zu Toten- und Seelenmessen genutzt. Im Stil der frühen Gotik, mit spätromanischen Ornamenten, wurde es wohl um 1240/50 erbaut. Im Inneren befinden sich Wandmalereien mittelalterlichen Ursprungs, die im 19. Jahrhundert stark übermalt wurden.

Dargestellt sind u. a. die Klugen und Törichten Jungfrauen als weltgerichtsbezogenes Thema und Christus mit einigen Jüngern. Der Altar ist dem Seelenbegleiter und -wäger St. Michael geweiht. Heute ist das Doberaner Beinhaus neben dem Karner in Hardehausen (bei Paderborn) das einzig erhaltene in Norddeutschland.

 

 

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Spätestens im 18. Jahrhundert diente das Gebäude als Kalkkammer und blieb auch deshalb erhalten. Der Archivar und Altertumsforscher Friedrich Lisch schrieb in den 1850er Jahren: „Die ganze Ausstattung der Kapelle, wie in Mecklenburg an Geist und Ausführung noch kein zweites Mal bekannt geworden ist, verdient die höchste Aufmerksamkeit und Pflege".

1883 wurde unter dem Baumeister Gotthilf Ludwig Möckel die Totenleuchte in neogotischen Formen rekonstruiert, 1977/78 aus materialtechnischen Gründen wieder entfernt. Die Totenleuchte diente nach mittelalterlicher Vorstellung zum Verjagen der bösen Geister und zur Ruhe der armen Seelen. Der Einbau der Bänke geht auf die spätere Nutzung als Taufkapelle zurück.

Architektur – Außen

Das Äußere des Baus wird bestimmt von mit kräftigen Wulsten eingefassten, leicht gespitzten, schmalen, hohen Fenstern (Übergang von Spätromanik zur Frühgotik). Die Rosette entstand erst im 14. Jahrhundert. Das durchbrochene Muster der Rosette ist aus der Hau-Stein-Ornamentik (behauener Stein, z. B. Sandstein) abgeleitet. Die Ecken sind mit kräftigen Säulen und mit kleinen, Kreuze tragenden Pyramiden bekrönt. Der Fries im spätromanischen Stil besteht aus Kreissegmenten (vgl. dagegen den gespitzten gotischen Fries am Münster aus der Zeit um 1280/90).

Architektur - Innen

Die architektonischen Elemente im Inneren sind in kräftige Wulste eingefasst. Eine große hohe Rundung befindet sich im Gewölbe. Darüber der Tambor von der nicht mehr vorhandenen gemauerten Totenleuchte, die Fenster enthielt (heute in den unteren Fenstern verarbeitet). Die Konsolen, mit verschiedenem Laubwerk im Relief, tragen starke Gewölberippen. Der Backstein ist mit einem alten dünnen porzellanharten, glatten grauen Putz versehen, der stellenweise stark unter der hohen Feuchtigkeit und der Anreicherung der Wände mit Salzen litt.

Die Ausmalung an den Architekturelementen

Die Wulste, die Laibung nach innen und die Wandflächen über den Gewölbekappen und -rippen sind verputzt und rot mit weißen Streifen, zur Nachahmung des Ziegelbaus, bemalt. Im Ursprung mittelalterlich, wurde bereits Ende des 19. Jahrhunderts eine dreifache Übertünchung der Wände festgestellt.

Die figürlichen Darstellungen

In der unteren Ebene aus einem biblischen Gleichniss, auf das Weltgericht bezugnehmend, die fünf törichten Jungfrauen, meistens mit rötlichen Umrissen auf grau gemalt, alle mit traurigen Gebärden, teilweise eine Hand an den gesenkten Kopf gelegt. Daneben, im 19. Jahrhundert neu gestaltet, Gottschalk, Fürst der Obotriten (gestorben 1066). Über den Figuren Weihekreuze.

Darüber die fünf klugen Jungfrauen, erhaben und schön, mit runden antiken Lampen, aus denen eine große Flamme emporschlägt. Auf der Brust zum hochzeitlichen Schmuck ein großes Juwel in rhombischer Gestalt. An der sechsten Wand rechts steht eine Jungfrau mit einem Schwert in der Hand, die Heilige Katharina.

Über den Jungfrauen knien Gestalten, welche die Arme ausbreiten, um anzubeten oder die Konsolen zu stützen. Im Deckengewölbe sieben Apostel (u. a. wohl Matthäus, Petrus, Philippus, Johannes, Paulus und Bartholomäus) und Christus. Über der Tür Christus der Gekreuzigte, daneben seit dem 19. Jahrhundert Kirche und Synagoge als Frauengestalten.

Martin Heider


 Informationen über die Restaurierung des Beinhauses siehe den nächsten Beitrag >

 

 

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