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Doberan und das Münster im Laufe der Jahrhunderte


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Die Urkunden und Akten geben Hinweise über Ereignisse in Doberan im Laufe der Jahrhunderte. Hier eine Auswahl für die Zeit von 1220 bis 1870, die vom Jahr 2020 aus gerechnet "runde" Termine sind, vorgestellt in 100- bzw. 50-Jahres-Schritten.

1220 – Der 5. Abt des Klosters Matthäus ist im Amt. Es ist die Zeit der Fortführung des Baus der romanischen Klosterkirche, dem Vorgängerbau des heutigen Münsters, geweiht 1232. Im Mauerwerk des Südquerschiffgiebels kamen, als man 1890 die Fenster nach unten verlängerte, zahlreiche Architekturstücke aus der Zeit um 1220 zum Vorschein, die auf Bau- bzw. Umbaumaßnahmen verweisen. Darunter waren Fußstücke und Kapitellplatten aus weißem Sandstein, reiche frühgotische Kapitelle und schwarze Marmorsäulen.

1270 – Georg von Zerchen wird der 13. Abt des Klosters. Der Beginn des Neubaus des gotischen Münsters erfolgt um diese Zeit. Das Beinhaus gilt als zu dieser Zeit fertiggestellt.

1320 – Wegen Errichtung einer Kapelle im Doberaner Klosterhof zu Wismar waren zwischen dem Kloster und dem Pfarrer zu St. Marien Differenzen eingetreten. Papst Johann XXII. aus Avignon beauftragt den Thesaurarius am Dom zu Lübeck am 8. Februar 1320 (MUB 4169), beide Parteien zu berufen, die Sache zu hören und seiner Entscheidung durch Androhung des Bannes, der auch die falschen Zeugen treffen sollte, Gewicht zu verleihen. Über den Verlauf des Prozesses ist nichts Weiteres mitgeteilt, so wird doch das Kloster Recht erhalten haben. Es gehörte zu den Privilegien des Klosters, Kapellen in seinen Höfen zu errichten und dort die Messe zu halten.

1370 – Die Doberaner Genealogie entsteht um das Jahr 1370 als Bestandteil des Doberaner Diplomatarium, einer Sammlung der älteren Urkunden des Klosters Doberan. Das Diplomatarium wurde im Anfange des 14. Jahrhunderts angelegt und von verschiedenen Händen durch weitere Urkunden sukzessive erweitert.

1420 – Wie die lateinische Inschrift der Grabplatte im Münster belegt, starb im Jahr des Herrn 1420 am sechsten Tag vor den Iden des Mai (10. Mai) Herr Johannes Plate, der 28. Abt in Doberan.
Im Dachbereich des Nordquerhauses befindet sich eine große funktionstüchtige Seilwinde, um über einen Kragarm im Nordgiebel schwere Lasten heraufzuziehen. Der Windenbaum in neuzeitlicher Fixierung stammt laut dendrochronologischer Untersuchung aus der Zeit um/nach 1420 (Tilo Schöfbeck).

1470 – In der Zeit um 1470 entstanden Grabplatten der Familie von Axekow, die sich noch heute in der ehemaligen Axekowschen Kapelle im Chorumgang befinden (Abb 1). Der Familie, welche 1283 zuerst vorkommt und um 1515 ausstarb, sind vier Grabplatten gewidmet. Ungefähr zeitgleich entstand eine Predella, ein Altaruntersatz, der sich heute unter dem Altar "Ehrenreiche Jungfrau" befindet, aber ursprünglich zu einem anderen Nebenaltar gehörte.

1520 – Die herzoglichen Ablager im Kloster führten durch die herzoglichen Diener wiederholt zur Störung des Klosteralltags. In den 1520er Jahren beschwert sich das Kloster erneut über die Belastungen.

1570 – Eine undatierte Akte, höchstwahrscheinlich entstanden um 1570, belegt das Ansinnen Herzog Johann Albrechts, sich an der Finanzierung der umfänglichen Instandsetzungsmaßnahmen an der Doberaner Kirche zu beteiligen. Der Überschlag benennt den voraussichtlichen Bedarf an Baumaterial und Arbeitslohn. Veranschlagt wurden u.a. 10.000 Mauersteine, 8.000 Dachsteine, 45 Last Kalk und 100 Stücke Eichen-Bauholz, sowie die zu zahlenden Löhne und zu leistenden Naturalien.

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Abb.: Die Lage des herzoglichen Schlosses am Standort des heutigen Amtshauses im Klosterareal - Hofmannscher Plan von 1750. Original im Landeshauptarchiv Schwerin. 

 

1620 – Die Wirren des Dreißigjährigen Krieges hatten Doberan noch nicht direkt erreicht. Der mittelalterliche und frühneuzeitliche Gebäudebestand hatte noch keine kriegsbedingte Schäden genommen, wie Inventare aus dieser Zeit schließen lassen.

1670 – In den fürstlichen Amtsstuben zu Doberan wurde am 17. Februar 1670 das Protokoll über die Doberaner Kirchenrechnungen von Anno 1660 bis Anno 1661 erstellt, welche vom seligen Kuchenmeister Nikolaus Kirchowen geführt worden waren. Zu den Ausgaben zählten 127 Reichstaler und 16 Schillingen für die Maurer, „für gemachte arbeit an der Kirchen“, 47 Reichstaler und 12 Schillinge „vor bier welches den hand werkern gegeben worden, laut quitunge No. 7“. 67 Reichstaler, 10 Schilling gingen an den Gläser Claus Häncken.

1720 – Herzog Karl Leopold, der eine Zeit lang im Doberaner Schloss residierte, weilte ab 1720 dort kaum noch. Bereits als er 1713 Nachfolger seines verstorbenen Bruders in der Regierung wurde, verlegte er seinen Wohnsitz mehr nach Schwerin. Mit den Ständen und dem Kaiser geriet er wegen seines absolutistischen Herrschens in Streit und wurde durch seinen Bruders Christian Ludwig II. politisch zurückgedrängt. Nun ab etwa 1720 regierte er in Dömitz.

1770 – um 1770 fertigte Ludwig Meinck einen Plan des Doberaner Schlossareals. Dieser zeigt gemäß Legende u.a. folgende Gebäude: das Hochfürstliche Schloß., das Amt, Reit Stall, Wacht Hauß, Brau Hauß, Schlacht Hauß, Wasch Hauß, Alt-Fr. Camer, Wolffs Scheune, Mult Boden und Mühle, Korn Boden, Küchen Garten und des Gärtners Wohnung.

1820 – In den Jahren 1820 und 1821 wurden zwei Heilquellen, eine Schwefelquelle in Heiligendamm und eine „Stahl“-Quelle in Doberan entdeckt. Das Prinzenpalais hatte Baumeister Severin im Jahre 1820/21 für sich selbst als Wohnsitz erbaut. Es wurde ihm aber vom Großherzog abgekauft und dem Erbgroßherzoglichen Paar als Palais übergeben, als dies ebenfalls im Sommer regelmäßig in Doberan weilte. Severin erhielt als Ausgleich einen gegenübenliegenden Bauplatz geschenkt, wo er sich ein kleineres Wohnhaus (jetzt Haus Gottesfrieden) errichtete.

1870 – Die Entwicklung Doberans kam in den 1870er Jahren zu einem vorübergehenden Stillstand und Rückgang. Mitentscheidend dafür waren offenbar die Vergrößerung Heiligendamms, die Abnahme der Bevölkerung durch Seuchen und Auswanderung sowie das Ende der „großherzoglichen Zeit“ im Ort.
Theodor Fontane, der im Sommer 1870 und auch später Urlaub in Warnemünde machte, reiste auch nach Heiligendamm und Doberan. Er schrieb in den „Briefen aus Mecklenburg“ über beide Orte in einer Zeit der Stagnation mit wenig Begeisterung. Zudem blieb ein Fragment „Sommers am Meer“ erhalten. Darin heißt es über Doberan: „Konzerte, Theater, Bank – all das ist so gut wie hin, und nur die Doberaner Klosterkirche ist geblieben. Sie ist sehr schön. Aber was ihr Ansehn sichert, ist doch weniger ihre Schönheit, als der Umstand, daß sie dem Lachbedürfnis der Besucher Nahrung bietet: a.) Die Inschriften. Vom Supe etc. b.) Die Reliquien. Diese sind ein Stein des Anstoßes für die Katholiken, die diese Verhöhnung bitter beklagen.“

Martin Heider


 

 

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