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Das Dachwerk des Münsters


Ein hochgotischer Pilotbau für Mecklenburg


Von Dr. Tilo Schöfbek (Bauforscher, Schwerin)

In keinem Werk zur Backsteingotik darf es fehlen, das Doberaner Münster. Dutzende Publikationen beschäftigen sich mit ihm, seiner wechselvollen Geschichte, seiner reichen Ausstattung und seiner hervorragenden Architektur.

Das heißt jedoch nicht, dass alle baugeschichtlichen Fragen gelöst wären.

Naturwissenschaftliche Untersuchungen ergaben, dass selbst solch einem prominenten Bauwerk nach gut zwei Jahrhunderten grundlegende Neubewertungen nicht erspart bleiben.

Bis dahin herrschte die allgemeine Ansicht, das gotische Münster wäre erst gegen Ende des 13. Jahrhunderts begonnen worden. Für das Jahr 1291 wird durch den Chronisten Ernst von Kirchberg ein Klosterbrand überliefert, in dessen Folge der Abt Johann von Dahlen (1294-1299) das hölzerne, das heißt wohl „holzgedeckte“ Münster hat abreißen lassen.

 

Eine bauhistorische Untersuchung des Mittelschiffdachs brachte eine große Überraschung – das ganze ursprüngliche Dachwerk über dem Mittelschiff (abgesehen vom Vierungsbereich mit dem Möckelschen Dachreiter) ist noch erhalten.

Die Dachkonstruktion wurde zeittypisch gelöst, ein Kreuzstrebendach ohne gesonderten Längsverband und ohne Wechselbalken. Die Kreuzstreben überblatten die Fußstreben (Sparrenknechte), darüber dienen drei Kehlbalkenlagen der Queraussteifung. Die Knotenpunkte sind mit Hakenblättern ausgeführt, als Abbundzeichen der Zimmerleute finden sich Macken (viereckige Ausstiche) und Beilhiebe, daneben auch einige Holzmarken, die wahrscheinlich von zusätzlichem Holzeinkauf von außen hindeuten.

Aufgrund der einheitlichen Breite des Mittelschiffs und der Querhäuser sind sie nicht in der Zählreihenfolge der Abbundzeichen, sondern durcheinander aufgestellt worden, ein Umbau mit Neuaufrichtung zu späterer Zeit ist gefügekundlich auszuschließen.

 
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