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Landessuperintendent i. R. Traugott Ohse gestorben


Kapeele Althof

Er wollte die Menschen richtig kennenlernen.

VON ALTBISCHOF HERMANN BESTE


Bad Doberan.Nach kurzem Krankenhausaufenthalt ist am 4. Dezember Landessuperintendent i. R. Traugott Ohse im Alter von 93 Jahren in Rostock verstorben. Die Familie konnte am Krankenbett mit dem Sterbenden das Heilige Abendmahl feiern.

Am 1. Januar 1970 war Traugott Ohse zum Landessuperintendenten des Kirchenkreises Rostock-Land berufen worden. 23 Jahre lang hat er diesen Dienst wahrgenommen, bis zum Beginn seines Ruhestandes 1993. Im Rückblick auf diese Zeit hat er Schwerpunkte seines Dienstes benannt.

Besonderes Augenmerk legte er demnach als Landessuperintendent auf die Visitation der Kirchgemeinden, der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wie auch auf die Besetzung der Mitarbeiterstellen. „Um die Gemeinden besser in den Blick zu bekommen als von der Kirche und dem Pfarrhaus her, hatte ich mir zum Ziel gesetzt, alle Kirchenältesten in ihren Orten und Häusern zu besuchen", schreibt Ohse in seinem Bericht, in dem er auch das Miteinander betont: „Diese Gemeinschaft ist nur möglich durch das gemeinsame Anliegen einerseits, durch das persönliche Kennen und Umeinander-Wissen andererseits".

Neben diesen Aufgaben im Kirchenkreis war für ihn das Münster in Bad Doberan mit seiner Tradition und Funktion für das Leben der Gemeinde wichtig. Die Tradition der Zisterzienser und die Verbindung zum Mutterkloster in Amelungsborn konnte auch durch den „Konvent an der Klosterkirche zu Bad Doberan" lebendig gehalten werden. Initiator und immer wieder Impulsgeber war auch hier Traugott Ohse.

1928 in Boizenburg geboren, hat Traugott Ohse früh von den Kämpfen um den richtigen Weg der Kirche in der Nazi-Zeit erfahren. Die Pfarrfamilie Ohse hatte 1935 Mecklenburg verlassen müssen, weil sie zur Bekennenden Kirche gehörte. Erst 1947 kam sie wieder hierher.

 

 

Kapeele Althof

Traugott Ohse studierte nach dem Abitur 1948 in Rostock und Greifswald evangelische Theologie, wurde nach dem ersten Examen und dem Predigerseminar 1953 in die Kirchgemeinde Döbbersen bei Wittenburg entsandt und dort im April 1953 ordiniert. Die Zeit in der Landgemeinde hat ihn geprägt und die Verbindung dorthin ist über all die Jahre lebendig geblieben.

1966 wurde Traugott Ohse zum Landespastor für Volksmission berufen und hat in diesem Dienst durch Vorträge, Gemeindebesuche und kirchliche Wochen das Gespräch über Glauben in unserer Zeit zu fördern versucht. 1949 war von Norwegen aus der Nordisch-deutsche Kirchenkonvent gegründet worden, um die Verbindung der deutschen und skandinavischen Kirchen zu stärken. Traugott Ohse hat hierbei viele Jahre für Mecklenburg mitgearbeitet wie auch nach 1976 für fünf Jahre als Vertreter des Konventes der Landessuperintendenten in der Kirchenleitung.

In Aufsätzen und Artikeln - auch für die Kirchenzeitung - hat er zur Geschichte der Zisterzienser, zum Doberaner Kloster und zu Bernhard von Clairvaux geschrieben. Seine besondere Begabung, das geschriebene Wort zu gebrauchen, hat er in vielen Veröffentlichungen auch in den Jahren des Ruhestandes zu erkennen gegeben.

Beim Singen in der Marien-Kantorei in Rostock hatte sich das Ehepaar Ohse kennengelernt. Die Liebe zur Kirchenmusik begleitete beide das ganze Leben. 2013 konnte das Ehepaar mit seinen vier Kindern und deren Familien Diamantene Hochzeit feiern - mit Dank für alles, was der barmherzige Gott in das Leben von Traugott Ohse für viele Menschen und für unsere Kirche hineingelegt hat. Nun blicken wir auf das über neun Jahrzehnte währende Leben zurück und wissen den Verstorbenen geborgen in Gottes Frieden.

Die Trauerfeier fand am 17. Dezember im Münster in Bad Doberan statt. Die Beisetzung erfolgte im engsten Familienkreis.

 

 


Quelle: Mecklenburgische & Pommersche Kirchenzeitung, Nr. 50, 12. Dezember 2021

Text: Altbischof Hermann Beste

Foto 1: Traugott Ohse im Januar 2017 am Kreuzaltar im Doberaner Münster

Foto 2: Traugott Ohse am 06.06.2020 während der Weihe des durch ihn initiierten Kreuzes auf dem ehemaligen Mönchsfriedhof, nördlich vom Doberaner Münster (Fotos: M. Heider)

 

 

 

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