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Doberaner Münster: Höhe und Holz sind das Problem


Muenster+Ansicht+von+Westen

 

In den Großkirchen der Region, so auch im Doberaner Münster, gibt es diverse Vorkehrungen zur Verhinderung bzw. zum Eindämmen von Bränden. So wurden beispielsweise im Münster bereits in den letzten Jahren rund 40 Tonnen Bauschutt samt leicht entzündlichem Unrat, auch verursacht durch früheren Nistbau durch Tauben, aus den Dachräumen entfernt.

Die OSTSEE-ZEITUNG Bad Doberan berichtet am Mittwoch, dem 17. April 2019, in Bezug auf die Großkirchen der Region wie folgt:

Von Andreas Meyer

Rostock/Bad Doberan. (...) Holz und Höhe sind das Problem „Es wäre eine Lüge, wenn ich behaupten würde, dass so etwas bei uns nicht passieren kann“, sagt Johann Edelmann, Chef des Rostocker Brandschutz- und Rettungsamtes. „Eine brennende Kirche – da kann man als Feuerwehr gar nicht gewinnen.“ In der Hansestadt sei die Sicherheit der Gotteshäuser nicht erst seit der Katastrophe von Paris ein Thema. Im Gegensatz zu vielen anderen Orten im Land gibt es für die großen Kirchen Rostocks detaillierte Einsatzpläne. „Und in den bedeutenden Kirchen haben wir auch Steigleitungen, mit denen wir Wasser im Notfall bis in das Dachgeschoss pumpen können“, so Edelmann.

 

Wismar+Sankt+Nikolai

 

Denn genau das sei eines der Hauptprobleme bei einem Kirchenbrand: „Mit unseren Drehleitern kommen wir auf maximal 40 Meter Höhe.“ Viele Kirchen sind aber höher: Bis zur Spitze von St. Petri sind es 117 Meter, St. Marien ist immerhin 86 Meter hoch. Wenn die Feuerwehrmänner bei Bränden erst noch Schläuche über die engen, mittelalterlichen Treppen nach oben bringen müssten – der Kampf gegen Flammen wäre gänzlich aussichtslos.

„Wir setzen auf Prävention, testen regelmäßig die Leitungen, kennen alle Schwachstellen der Konstruktionen – die Gewölbe und Glockenstühle etwa“, sagt Edelmann. Und: Bei allen Arbeiten an den Kirchen sei das Amt besonders wachsam, ordne zum Teil extra Brandwachen an. „Immer wenn gelötet oder geschweißt wird am Dach, ist das besonders kritisch.“

Die Brandgefahr sei in der Hansestadt aber geringer als in Paris, in Notre Dame: Die meisten Kirchen in der größten Stadt des Landes waren im Zweiten Weltkrieg schwer zerstört worden – St. Petri etwa. Erst 1994 wurde dort der Turmhelm wiederaufgebaut. Seitdem gebe es in dem Gotteshaus auch moderne Brandschutztechnik. In der Marienkirche gibt es beispielsweise zwei Wasserleitungen nach oben, sagt der Küster Dirk Meiburg. „Aber die nützen nur etwas, wenn die Feuerwehr noch nach oben kommt. Wenn es zu stark brennt, ist es aussichtslos. Unsere Leitern sind viel zu kurz.“ Rauchmelder oder Sprinkleranlagen gibt es in St. Marien nicht. „Eine Kirche können wir nicht so ausstatten wie die Stadthalle.“ Meiburg könne nicht fassen, was in Paris geschehen ist: „Das ist eine Katastrophe!“

Mayk Tessin, Kreisbrandmeister im Landkreis Rostock, machte sich am Dienstag persönlich ein Bild von den Löscharbeiten und den Schäden an der Pariser Kathedrale Notre-Dame: „Ich bin gerade im Urlaub in Frankreich“, sagt er. Die Bilder vom Brand hat er im Fernsehen verfolgt. Auch selbst hat er bereits einen Kirchenbrand erlebt, vor knapp sechs Jahren in Lübsee bei Lalendorf. „Dort konnten wir den Turm retten. Aber das war Glück.“ Im Notfall würde die Leitstelle Drehleitern aus dem gesamten Landkreis zusammenziehen. Hubsteiger, wie sie die Pariser Feuerwehr einsetzen konnte, gibt es rund um Rostock aber nicht. „Mit unserer Technik kommen wir bei so einem Feuer nicht weit. Wir können dann nur reagieren. Aber das Holz in unseren Kirchen ist oft Jahrhunderte alt, knochentrocken. Wenn das durchzündet, haben wir keine Chance.“ Bei Bauarbeiten an Kirchen gebe aber auch der Landkreis vor, welche Stoffe verbaut werden dürfen.

 

Rostock+Marien+von+Nordwest

 

Holz aus dem 13. Jahrhundert: Eine der Kirchen, in denen das Holz seit Jahrhunderten verbaut ist, ist Doberans Münster. „70 Prozent der Balken stammen noch aus dem 13. Jahrhundert“, so Kustos Heider. Regelmäßig übe die Feuerwehr der Münsterstadt den Einsatz in der Kirche. „Die Kameraden müssen dann mit Atemschutzgeräten die engen Treppen rauf.“ Bis in den Vierungsturm, 72 Meter hoch. „Wir verfügen aber bereits seit den 1980er Jahren über Steigleitungen im Münster“, sagt Heider. 1979 hatte ein Brandstifter das benachbarte Wirtschaftsgebäude des alten Klosters angezündet. Das Gemäuer ist bis heute eine Ruine. „Damals wurde aber reagiert, um das Münster zu schützen.“

Sollte es brennen, muss das Löschen schnell gehen: Das Gewölbe im Münster zum Beispiel ist zum Teil nur 14 Zentimeter dick, würde schnell einstürzen. „Obwohl wir auch in Paris gesehen haben, wie viel die alte Bausubstanz dann doch verträgt“, so Heider. Die Bilder aus der französischen Hauptstadt seien ihm zu Herzen gegangen: „Ich war schon drei Mal in Notre-Dame.“ Denn die Kathedrale sei der Ursprung der Gotik. „Die Marienkirche in Rostock und auch unser Münster sind nach dem Grundriss Notre-Dames gebaut. Wir haben eine französische Kathedrale – nur mit Back- statt Natursteinen.“ Von Paris aus habe die Gotik einen ganzen Kontinent erobert: „Sie ist eine europäische Idee.“ Und daher sei Notre-Dame auch nicht nur eine Pariser Kirche."

 

Quelle des Textes: OSTSEE-ZEITUNG
www.ostsee-zeitung.de/

Die Fotos wurden durch die Münsterverwaltung dem Text zugeordnet (keine OZ-Fotos).
Quelle der Fotos: Martin Poley (Wismar), Martin Heider (Bad Doberan)
Foto 1: St. Nikolai Wismar
Foto 2: St. Marien Rostock
Foto 3: Doberaner Münster