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Einzigartiges Grabmal steht im Doberaner Münster


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Wir berichteten über die Fertigstellung des Reiterstandbildes. Mit diesem Beitrag aus der OSTSEE-ZEITUNG möchten wir auf diese umfängliche Maßnahme und auf das sehr schöne Ergebnis langjähriger Arbeiten verweisen:

Von Anja Levien

Reiterstandbild nach sechs Jahren fertig restauriert / Herausforderungen: Feuchtigkeit und Material

Es gilt als einziges Grabmonument mit einem lebensgroßen freistehenden Reiterstandbild in Deutschland: das Grabmal Samuel Behr im Doberaner Münster. Sechs Jahre hat die Restaurierung inklusive Planung gedauert. Dafür wurde das Pferd geröntgt, Grabungen im Boden unternommen, Sattel und Zaumzeug unter die Lupe genommen.

Aufrecht mit dem Zepter in der rechten, die Zügel in der linken Hand sitzt Samuel Behr auf dem Pferd im Doberaner Münster. Der 1621 Verstorbene war Hofmeister und Erzieher von Herzog Adolf Friedrich I von Mecklenburg-Schwerin. Ihm wird mit dem Grabmal eine hohe Ehre zuteil. „Für einen niederen Dienstadeligen ist es ein ungewöhnliches Monument an der Stelle“, sagt Kunsthistoriker Detlef Witt, der parallel zur Restaurierung viel nachgeforscht hat. „Wir werden kein zweites Denkmal dieser Art in Europa finden“, sagt er. „Es ist nicht üblich, dass jemand so selbstherrlich präsentiert wird.“ Zudem steht es im Münster in Blickrichtung zum Grabmal von Adolf Friedrich.

Dass dem Hofmeister so ein Denkmal gesetzt wurde, sieht der Historiker in der Beziehung der beiden begründet. „Es ist eine Wertschätzung und auf das enge Vertrauensverhältnis des Herzogs zu seinem Geheimen Rat zurückzuführen“, sagt Detlef Witt. Behr sei wie ein Staatssekretär für Adolf Friedrich gewesen, er habe ihn erzogen, sie seien täglich zusammen unterwegs gewesen. Das Grabmonument entstand in den Jahren 1622 bis 1626 durch den Leipziger Bildhauer Franz Julius Döteber und dessen Gehilfen Daniel Werner. „Es ist ein Wunder, dass es noch steht“, sagt Münsterkustos Martin Heider und verweist auf den 30-jährigen Krieg, als die Kirche ohne Dach war und geplündert wurde.

In den vergangenen fünf Jahren wurde es jetzt nach einem Jahr Planungszeit umfangreich restauriert. Die Herausforderungen waren dabei die Materialvielfalt und der Untergrund. Fachleute für Textil, Metall, Holz und Stein haben mitgewirkt. „Die Hauptschäden rührten von der Feuchtigkeit im Boden“, sagt der leitende Restaurator Sebastian Röhl. Das Grundwasser stehe 1,10 Meter unter dem Fußboden. Die lehmhaltige Erde habe das Wasser ins Denkmal gezogen. Auch die Sperrschicht, die Baumeister Gotthilf Ludwig Möckel einbauen lies, half nicht. Hinzu kamen Salze, die das Grabmal angriffen.

Der Fußboden wurde aufgenommen, die Farbigkeit der Steine katalogisiert, der Boden archäologisch untersucht. „Wir haben Teile vom alten Grabmal gefunden“, sagt Röhl. Vieles war von Möckel (1828–1915) bei einer früheren Sanierung neu gemacht worden. Für die Belüftung seien jetzt drei umlaufende offene Fugen eingebaut worden.

Im Holz, aus dem Pferd, Reiter und Decke des Baldachins bestehen, habe es aufgrund von Holzschädlingen Stabilitätsprobleme gegeben. Deshalb wurde das Monument zu Beginn der Restaurierung in ein mobiles Zelt gepackt und mit Stickstoff begast. Dann wurden Pferd und Reiter vom Sarkophag getrennt. „Ein Tierarzt hat das Pferd geröntgt“, erzählt Röhl. Denn es sei nicht bekannt gewesen, wie das Pferd im Inneren gestützt wurde.

220 000 Euro hat die Restaurierung gekostet. Ein Teil des Geldes kam von der Ostdeutschen Sparkassenstiftung. „Wir sind davon überzeugt, das Grabmahl ist ein Schlüsseldokument zur Geschichte des Landes. Wir wollen helfen, dass solche Dokumente erhalten bleiben“, sagt Friedrich-Wilhelm von Rauch, Geschäftsführer der Ostdeutschen Sparkassenstiftung. Zusammen mit der Ostseesparkasse Rostock, dem Münsterbauverein, Patronatsmitteln, dem Denkmalfonds der Nordkirche, einer Privatspende und Geld aus dem Münsterhaushalt der Kirchengemeinde wurde die Restaurierung möglich. Martin Heider: „Wir sind außerordentlich dankbar. Es wurde ein wunderbares Gesamtergebnis erreicht, auch dank der vielen beteiligten Fachleute.“

OSTSEE-ZEIZUNG, Donnerstag, 6. Juni 2019

Text und Foto 1: Anja Levien

 

 

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