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850 Jahre – Bestattung der Fürstin Woizlava (†1172)


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Auch im Jahr 2022 liegt ein wichtiges Ereignis in der Kloster- und Landesgeschichte 850 Jahre zurück. Im Jahre 1172 starb Woizlava, Gemahlin des Landesherrn Pribislav und wurde im Kloster Doberan - im heutigen Stadtteil Althof - bestattet.

So berichtete die KIRCHBERG-Chronik um 1378: „man grub sy zu Alden Doberan.“

Es ist die älteste fürstliche Bestattung im Kloster Doberan und im Kontext des nun dauerhaft zum Christentum übergetretenen Fürstenhauses Mecklenburgs überhaupt.

Eine "Herrin des Landes und Gründerin dieses Klosters“ und "in großem Glauben strahlend" wird sie in der Ziegelinschrift in der Kapelle Althof (Abb. 1) genannt. Eine durch ein eisernes Gitter (um 1888 - Abb. 2) geschützte Gedenkplatte von 1852 (Abb. 4), die eine ältere Grababdeckung überdeckt, verweist auf ihre Bestattung.

Woizlava stammte offenbar aus Pommern und war, anders als bei Kirchberg angegeben, keine norwegische Königstochter.

 

 

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Ihre vermuteten sterblichen Überreste wurden bei der Instandsetzung zu Beginn des 19. Jahrhunderts in der Kapelle entdeckt und 1852 vor dem Altar bestattet.

Die Quelle für die lateinische Ziegelinschrift ist wahrscheinlich das Klosternekrologium. Die ältesten Ziegel stammen aus dem 13. Jahrhundert. Ergänzende Stücke entstanden im Vergleich mit der Ziegelinschrift des Grabes Heinrichs II. von Mecklenburg (gest. 1329) im Hochchor des Doberaner Münsters im 14. Jahrhundert.

Woizlava wird als Klostergründerin („claustri fundatrix“) bezeichnet; sie sei hier in Frieden bestattet („hic in pace sepulta“). Ob ihre tatsächliche Rolle beim Gründungsgeschehen oder ihre Stellung als Stiftergattin die Bezeichnung als „fundatrix“ rechtfertigt, bleibt Spekulation.

Die Urkunden und die Doberaner Genealogie erwähnen solches nicht. Der Verfasser der Inschrift überhöhte ihre Rolle vielleicht, um durch den Reim zu „dominatrix“, mit „claustri fundatrix“, also Klostergründerin, eine passende Entsprechung zu finden


Martin Heider