Aus der Historie des Ortes, der Klosteranlage und des Münsters


Wirtschaftsgebaeude um 1900

Ansichtskarte „Doberan – Kirche und Klosterbrauerei“ von Südwest, um 1900.

Bildnachweis: Sammlung Michael Kuska (Bad Doberan).

Das Wirtschaftsgebäude in der Zeit der Klosterauflösung

Die Mühle im Backhaus

Wertvolle Hinweise über die in Doberan bei der Auflösung des Klosters vorhandenen Gebäude samt Ausstattung gibt das Inventarium vom 7. März 1552. Leider macht das Inventar nur wenig Aussagen zum Zustand der Gebäude. Eine Stiftung Herzog Heinrichs V. aus dem Jahr 1549 zur Reparatur des Dachreiters der Kirche und der Konventsbauten lässt annehmen, dass die verschlechterten ökonomischen Rahmenbedingungen einen nicht unerheblichen Bedarf an weitergehenden Unterhaltsmaßnahmen bedingten, die nicht mehr vom Konvent selbst zu finanzieren waren. Auch sind die verschiedenen Vorräte, die Instrumente, auch der Tierbestand u.v.m. im Inventarium vom 7. März 1552 verhältnismäßig gering, auch im Vergleich zu anderen Klosterinventarien aus dieser Zeit.

Das Verzeichnis nennt auch Inventar für Klostergebäude, die am Wirtschaftshof im Süden des Klosterareals lagen. Dort war das zentrale Gebäude das große Backhaus, das heute sogenannte Wirtschaftsgebäude. Aufgeführt werden auch die Mühle, ein Kornboden auf dem Backhaus und weitere Räumlichkeiten, wie das Gemach des Kornschreibers.

Im Backhaus waren u. a. an Lebensmitteln 158 Seiten Speck, Schinken, Schnecken, Knochen, Schweinsköpfe, Schultern, Schmer (Fett), Schweinsklauen, Heringe, Buchweizengrütze, Hafergrütze.

Es gab vielerlei Hausrat und Ausstattung, wie Teigtröge, Teigknettisch, Kessel, Brandruten, Röste, Knochenbeil, Spaten, einen großen Backofen, eine Malzdarre, Kalk und 600 Dachsteine.

In der Mühle im Backhaus waren u. a. zwei funktionstüchtige Mahlgänge, Malz im Gewölbe, in der Mühle Mehl, Mehlkasten, Malzkiste, Tragekorb, Mehlsiebe, aber auch 18 Sauen und 120 Schweine.

24ehemWirtschaftshof

Auszug aus Akte LHAS 2.22-10/7 Nr. 616 (Amtsgeldregister) von 1552

Die ununterbrochene Weiternutzung in der frühen Zeit des Domanialamtes

Wichtige Informationen liefert das Amtsgeldregister von 1552, welches wie o.g. Inventar zu den Archivalien im Landeshauptarchiv Schwerin gehört und bislang offenbar kaum Beachtung fand.

Ersichtlich wird die institutionelle Zugehörigkeit der einzelnen Höfe und Produktionsstätten des ehemaligen Klosters nun zum herzoglichen Amt. Erst in späteren Jahrzehnten und Jahrhunderten wurden diese sukzessive an Dritte verpachtet, so der Kammerhof und das Wirtschaftsgebäude (Backhausmühle).

Im Amtsgeldregister finden sich auch Vorgänge in Bezug auf das Wirtschaftsgebäude, so der Beleg für die Bezahlung eines rund drei Wochen nach der Klosterauflösung, am 1. April 1552, aus Rostock gelieferten neuen Mühlensteins oder die Entlohnung des Kochs und des Schweinehirten im Backhaus.

Das Sägen von Holz zu Blöcken bzw. Brettern und Dielen bekamen die „Sager“ entlohnt. Eine weitere Position (Abb.) dokumentiert eine Reparatur an der Backhausmühle („mollenn In dem Backhusse“). Aus einem langen Block wurde Material für einen Unterschlag gesägt.

Auch die lange Liste der allgemeinen Ausgaben liefert wertvolle Angaben zu Instandsetzungsarbeiten und die wirtschaftlichen Aktivitäten in der Übergangszeit vom Kloster zum Domanialamt. Dazu zählte Standgeld, welches der Rat zu Rostock erhielt, für die Lagerung eines Mühlensteins für die Doberaner Backhausmühle, gelagert am Wasser, wohl im Rostocker Stadthafen. Entlohnt wurden die Träger für die Beförderung des Mühlensteins auf einen Wagen und diejenigen, die diesen nach Doberan brachten.

Weitere Informationen, verschiedene Textpassagen aus den Originalakten und zahlreiche Abbildungen werden im Vortrag am 4. Mai vorgestellt.


Martin Heider

 

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