Vom Backhaus zur Schauspielbühne


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Abb. 126 im Buch: Ansichtskarte „Die alte Klosterbrennerei zu Doberan“.

Oberer Teil der Ansichtskarte:  seltene Ansicht der Ostpartie samt Nordgiebel von Nordost, AK gelaufen 1909.

Bildnachweis: Archiv Münsterverwaltung Bad Doberan.

Die OSTSEE-ZEITUNG Bad Doberan berichtete am 27. Juni 2023:

Das historische Wirtschaftsgebäude in Bad Doberan hat über die Jahrhunderte viel erlebt / Was sich in den alten Mauern früher abspielte, hat Münster-Kustos Martin Heider herausgefunden

Bad Doberan. Einen besseren Zeitpunkt als jetzt hätte Münster-Kustos Martin Heider für die Herausgabe seines neuesten Buches „Das Doberaner Wirtschaftsgebäude in den zeitgenössischen Quellen“ kaum finden können. Denn seit dem Beginn der Bauarbeiten an dem Gebäude des Klosters durch die Stadt gilt diesem bedeutenden Backsteinbau vom Ende des 13. Jahrhunderts besonderes Interesse. Heider überrascht in seinem Buch mit einigen neuen Fakten.

Wer weiß schon, dass der Abtei mal 30 Mühlen gehörten? Auch in der Folge, da sich Heider vorrangig mit der Geschichte des imposanten Gebäudes beschäftigt, kommt er zu einigen neuen Erkenntnissen. Den Fokus legt er dabei auf den Zeitraum zwischen dem Tag der Klosterauflösung am 7. März 1552 und der Erhebung Doberans zur großherzoglichen Sommerresidenz im Jahre 1793.

 

 

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Münster-Kustos Martin Heider mit seinem Buch über das Wirtschaftsgebäude des Doberaner Klosters. Foto: Werner Geske

Rund 10 000 Aktenseiten hat er in den vergangenen Jahren in seiner Freizeit gesichtet und ausgewertet. Sie stammen vorrangig aus dem Schweriner Landeshauptarchiv. Dort stieß der Kirchenmitarbeiter auf mehr Dokumente und Akten zum Thema, als er erwartet hatte. Auch der Umfang der in den Archivalien enthaltenen, teils unbekannten Angaben überraschte den Ermittler in Sachen Klosterhistorie.

Unterstützt wurde der Autor zudem durch Archive, Fototheken, Kupferstichkabinette in und außerhalb Mecklenburgs. Auch Doberaner, die ihm historische Fotos und Postkarten zur Verfügung stellten, gaben wertvolle Hilfe. Davon profitiert der 250 Darstellungen umfassende opulente Bildteil des Buches. Mit dem, was der Autor mühselig erschloss, bewahrt er geschichtliche Ereignisse vor dem Vergessen. Zum Beispiel, dass die Gebäude der Klosteranlage auch nach Aufgabe der Wohn-, Arbeits- und Gebetsstätte am 7. März 1552 ununterbrochen genutzt wurden. Darauf weist unter anderem hin, dass bereits wenige Tage nach Klosterschließung ein neuer Mahlstein für die Wassermühle im Wirtschaftsgebäude angeliefert wurde, um deren Weiterbetrieb zu sichern, wie Heider herausfand.

 

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Abb. 127 im Buch: Ansichtskarte „Die alte Klosterbrennerei zu Doberan“.

Unterer Teil der Ansichtskarte:  Ansicht von Südwest, AK gelaufen 1909. Bildnachweis: Archiv Münsterverwaltung Bad Doberan.

Interessant ist ebenso, dass die Quellen das Wirtschaftsgebäude in der Zeit des Klosters und seiner Auflösung ausschließlich als Backhaus bezeichnen. „Dass sich im Gebäude eine Mühle befand, war untergeordnet. Wenn diese erwähnt wurde, dann nur als ,Mühle im Backhaus‘“, hat Heider bei seinen Studien herausgefunden.

Welches Schicksal hatte das Wirtschaftsgebäude, das heute als eines der bedeutendsten noch erhaltenen Profanbauten des Zisterzienserordens gilt, in den folgenden Jahrhunderten? Heider hat beispielsweise herausgefunden, dass während des Dreißigjährigen Krieges mehrere Geschosse des Baus als Kornlager genutzt wurden. „Eine andere Bestimmung erhielt er nach 1707, als Prinz Karl Leopold zu Mecklenburg-Schwerin seine Residenz im herzoglichen Schloss nahm. Die Residenz befand sich etwa dort, wo heute in der Klosterstraße 1b das ehemalige Amtshaus steht. Um den Hofstaat des Prinzen zu versorgen und Einnahmen für das Domanialamt zu erzielen, wurde in der Backhausmühle eine Branntweinbrennerei eingerichtet. Eine Nutzung als Brauerei ist dagegen eindeutig erst um 1806 nachzuweisen“, sagt der Verfasser des Buches.


 

 

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Abb. 177 im Buch: Wirtschaftsgebäude von Westen mit offenem westlichen Seitenschiff.

Dia um 1970. Bildnachweis: Fotoarchiv Familie Mohr.

Ein besonders einschneidendes Ereignis in der Geschichte des Wirtschaftsgebäudes sei der verheerende Orkan von 1768 gewesen, dem das westliche Seitenschiff zum Opfer fiel. Bisher sei angenommen worden, dass dieser Gebäudeteil von jeher offen gewesen sei, erklärt Heider. Er habe aber anhand der Archivalien nachweisen können, dass auch dieses Schiff bis dahin geschlossen gewesen sei. „Unter Herzog Friedrich Franz I. erhielten Gebäudeteile von etwa 1795 bis 1806 sogar die Funktion als Schauspielhaus. Dort feierte das vor allem hochherrschaftliche Publikum nun Komödianten“, lässt er weiter wissen.

Martin Heider schließt sein Buch, das für 37 Euro im Münster erhältlich ist, mit dem Hinweis darauf, dass er seine Forschungen am Wirtschaftsgebäude weiterführen wird. Ein Folgeband soll sich mit seiner Geschichte bis zur Gegenwart befassen. Über die Zukunft diskutieren gerade viele Doberaner: Sie können sich zum Beispiel eine Gastronomie im Gebäude vorstellen oder einen Veranstaltungsort.


Werner Geske

 

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